Die Nomaden des Pazifik – Meeresschildkröten in Puerto Escondido

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Ich bin immer noch hin und weg, wenn ich daran zurückdenke! Die Freilassung der jungen Meeresschildkröten an der mexikanischen Pazifikküste war für mich wirklich einer der emotionalsten Momente in meinem Leben. Ich habe am Strand von Puerto Escondido auch eines dieser kleinen Wesen freilassen dürfen. Dieser Moment hat mich so unglaublich glücklich gemacht, dass ich sogar ein, zwei Tränchen verdrücken musste.

Vielleicht klingt es für den ein oder anderen von euch albern oder übertrieben, aber für mich war es ein so rührendes Erlebnis, eine dieser Minischildkröten, die noch nicht mal so groß war, dass sie meine Hand hätte füllen können, in einer Kokosnussschale ans Ufer bringen zu dürfen und zuzuschauen, wie sie langsam in Richtung Ozean kriecht, irgendwann von einer großen Welle weggeschwemmt und ins Meer hinausgetragen wird. Zu wissen, dass sie nun eine größere Chance hat, in den Weiten des Meeres zu überleben. Für mich einfach ein unglaubliches Naturwunder!

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Als ich dann auch noch erfahren habe, dass sich entlang der mexikanischen Pazifikküste mittlerweile einige Umweltschutzorganisationen etabliert haben, die sich dafür einsetzen, die Populationen der vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten zu regenerieren und zu schützen, habe ich mich umso mehr gefreut.

Das Umweltschutzprogramm „liberación de la tortuga marina“

Ich bin wirklich positiv überrascht, dass es so viele Umweltschutzorganisationen an der mexikanischen Pazifikküste gibt, die sich mithilfe verschiedener Programme zur Aufgabe gemacht haben, Einheimische und Touristen für den Naturschutz zu sensibilisieren und insbesondere über die gefährdete Lage der Schildkröten aufzuklären, der sie seit Jahrzehnten ausgesetzt sind.

Eins dieser Programme ist die abendliche Freilassung der ein bis zwei Wochen alten Babyschildkröten, bei dem jeder eingeladen ist, mitzumachen. Martin und ich haben am „Playa Bacocho“ in Puerto Escondido eine der kleinen Kreaturen freigelassen. Dort gibt es eine Aufzuchtstation, die die von den Muttertieren am Strand abgelegten Eier aufbewahrt und vor Raub und natürlichen Feinden schützt, bis die Schildkröten geschlüpft sind. Um ihre Überlebenschancen zu steigern, werden sie zwischen 7 und 14 Tagen lang gefüttert und aufgepeppelt, bis sie groß genug sind, ins Meer ausgesetzt werden zu können.

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Ich habe euch mal eine kleine Liste mit Links der Programme zusammengestellt:

An der Riviera Nayarit,

in Ixtapa und Zihuantanejo,

an verschiedenen Stränden von Michoacán,

in Puerto Escondido und Mazunte in Oaxaca.

Warum Meeresschildkröten in Mexiko vom Aussterben bedroht sind

Meeresschildkröten haben sowohl an Land, als auch im Wasser einfach zu viele Feinde. Zum einen natürliche Feinde wie Vögel, Leguane, Krebse, Hunde oder Waschbären, zum anderen den Menschen, denn noch immer werden Meeresschildkröten gejagt, deren Eier gestohlen oder sie verenden am herumschwimmenden Plastikmüll im Meer oder landen ungewollt in Fischernetzen.

Dazu kommt, dass vor weniger als 30 Jahren das Umweltbewusstsein – vor allem in kleinen Dörfern Mexikos wie auch an vielen anderen Orten der Welt – noch nicht so ausgeprägt war, wie es dort heutzutage der Fall ist. Um nicht zu sagen: es gab keins. Welchen Einfluss das Eingreifen des Menschen auf die Umwelt und den Naturkreislauf hat, war ihnen nicht bewusst. Im Vordergrund stand vielmehr die Ernährung der Familie.

So wurden in den Küstendörfern noch in den 60er Jahren täglich unzählige Schildkröten getötet und auf Märkten verkauft. So verringerten sich die Tierbestände radikal. Neben der Fischerei war es zu diesem Zeitpunkt einer der lukrativsten Wirtschaftszweige. Nicht nur das Fleisch der Tiere, sondern auch die Eier waren ein sehr beliebtes Nahrungsmittel. Erst mit dem Verbot im Jahr 1990 konnte die Jagd und Kommerzialisierung der Meeresschildkröten reduziert werden. Trotzdem werden sie leider heutzutage immer noch gejagt.

Wenn man nun bedenkt, dass von 70-100 gelegten Eiern, die ein Weibchen einmal pro Jahr legt, nur 5-7 Schildkröten das erwachsene Alter von 6-8 Jahren erreichen, wird einem bewusst, wie wichtig der Schutz dieser Tiere wirklich ist.

Wie die Freilassung der Meeresschildkröten abläuft

Kurz vor Sonnenuntergang – das ist in Mexiko während des gesamten Jahres relativ früh – im Sommer zwischen 19.00 Uhr und 19.30 Uhr, im Winter zwischen 17.00 Uhr und 17.30 Uhr – versammeln sich jeden Abend Freiwillige am Playa Bacocho vor dem Zelt der Organisation „Vive Mar“. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Ich vermute, dass die Freilassung an allen Stränden ähnlich abläuft, aber ich kann nur von meiner Erfahrung in Puerto Escondido sprechen.

Vor Ort bekommt ihr eine kurze Einführung und könnt dann entweder bei der Freilassung der Meeresschildkrötchen zusehen oder selbst eine in einer Kokosnussschale am Ufer aussetzen. Um weitere Projekte finanzieren zu können, nimmt „Vive Mar“ 50 pesos (ca. 2,30 Euro) pro Schildkröte, die ihr freilassen wollt.

Sobald die kleinen Schildkröten im Sand liegen, wissen sie genau, was zu tun ist. Es ist unglaublich schön, ihnen auf ihrem Weg bis zum Meer zuzusehen!

Was sind die kleinen Dinge in eurem Leben, die euch glücklich machen? Erzählt mir davon!

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