Dublin – die kleinen Dinge

Home / Europa / Dublin – die kleinen Dinge

Es gibt viele Orte auf der Welt, die mir eine unvergessliche Zeit beschert haben,  an denen ich viel erlebt oder gelernt habe und die ich noch immer in guter Erinnerung habe. Aber es sind nur wenige, die mein Herz auf wundersame Weise berührt haben, wie es Dublin getan hat.

Es war letztes Jahr genau um diese Zeit. Als wäre es unser ganz persönlicher Jahrestag – zwischen der irischen Hauptstadt und mir – habe ich zufällig heute an sie gedacht, als ich ein paar Minuten in Erinnerungen geschwelgt habe. Und das ist doch mindestens einen eigenen Artikel wert.

Dublin hat mein Herz mit kleinen Dingen erobert. Auf den Spuren der Vergangenheit durften wir an ein paar Orten in frühere Zeiten eintauchen, die auch der Schriftsteller James Joyce in seinem bekannten Roman „Ulysses“ beschreibt:

Sweny’s pharmacy

pharmacy-dublin

img_6550

Eine ganz eigene Erfahrung inmitten des Großstadttrubels. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise. Als wir die kleine Apotheke an der Straßenecke betreten, steht plötzlich die Zeit still. Seit den 1920ern wurde hier nichts verändert. Hinter der Theke sitzt ein älterer freundlicher Herr, der uns, wie es zur irischen Art dazugehört, offenherzig hereinbittet, sich vorstellt und uns die Hand schüttelt, als hätte er schon auf uns gewartet. Er erzählt uns von Leopold Bloom, der Hauptfigur in Joyces‘ Roman, und wie er eines Tages die Apotheke betritt und ein Stück Zitronenseife für seine Frau besorgt. Die Seife gibt es hier tatsächlich noch immer zu kaufen. Diese Herzlichkeit des Mannes. Ein besonderer Moment, wenn auch unbeschreiblich, an einem unglaublich friedlichen Ort. Ich bin immer noch fasziniert.

Irische Pubkultur

dublin-irland-12

 

Ich liebe sie! Irische Pubs sind mehr, als nur ein Bier in ner Kneipe trinken zu gehen. Es ist, wie in meinem zweiten Wohnzimmer zu sitzen. Die Tradition, die Gemütlichkeit, das familiäre Flair, die Livemusik, die Lebenslust, die Gastfreundschaft, die uns entgegengebracht wurde – all das machen sie aus. All das gibt mir ein wohliges Gefühl. Wenn ich könnte, würde ich stundenlang nur dasitzen und der Musik lauschen.

dublin-irland-14

pub-dublin

dublin-irland-25

Ein Tag am Meer

Nur eine halbe Stunde mit dem Zug von Dublin entfernt, entscheiden wir uns für einen Ausflug und verbringen einen Tag an der rauhen Küste Irlands.

Die Meeresluft riecht nach Freiheit, die frische Brise bläst mir ins Gesicht. Eine beruhigende Stille, die mir ein Gefühl von „alles ist gut“ gibt, umgibt mich. Wir wandern los und sind allein mit uns und der Natur. In den nächsten zwei Stunden kommen uns nicht mehr, als zwei Frauen mit Gummistiefeln entgegen, die ich wegen meiner glatten Schuhsohlen nichts als beneide. Wir wandern weiter entlang der Klippen. Das einzige, was wir hören, ist das Meer. Vor uns baut sich mehr und mehr der Nebel auf und verleiht der begrasten Landschaft einen mystischen Touch. Eine Auszeit der besonderen Sorte! Vielleicht sogar der schönste Tag unserer Reise!

dublin-irland-33

dublin-irland-31

dublin-irland-34

dublin-irland-2

dublin-irland-6

Mit offenen Augen

Lässt man sich mit offenen Augen durch die Stadt treiben, entdeckt man manchmal Dinge, denen man sonst keine Beachtung geschenkt hätte. Als uns dieser farbenfrohe Flyer in die Hände fällt, sind wir so neugierig, was für ein Theaterstück das wohl sein mag, das wird kurzerhand das Theater suchen und uns spontan noch für denselben Abend ein Ticket kaufen. Wir verbringen nicht nur einen Abend zwischen Einheimischen, sondern auch der typisch trockene, irische Humor wird uns an diesem Abend ein wenig nähergebracht. Spontane Entscheidungen sind doch wirklich einfach die besten!

 

img_6624

dublin-irland-15

 

Zwischenmenschliche Begegnungen

Nie vergessen werde ich den Taxifahrer, der uns am letzten Tag kurz vor unserer Abreise auf der Straße aufliest und uns gar keine Fahrt aufschwatzen will, sondern nur weiterhelfen möchte. Als er weiterfahren will, winken wir ihn zurück. Eigentlich schickt ihn der Himmel, denn ob der Bus uns noch rechtzeitig zum Flughafen bringt, wissen wir selbst nicht. Er bietet uns an, uns für 6 – was die Busfahrt gekostet hätte – statt 25 Euro zum Flughafen zu bringen und versüßt uns die 25-minütige Fahrt mit lustigen Anekdoten aus seinem Leben. Ich bin gar nicht in Stimmung für Smalltalk, aber er schafft es tatsächlich, dass ich mit einem lächelnden Gesicht aus dem Taxi steige, obwohl ich völlig genervt und gestresst eingestiegen bin.

Natürlich ist es keine große Sache, aber ich schätze solche zwischenmenschlichen Momente sehr und war vor allem in diesem Augenblick so unglaublich dankbar: für das perfekte Timing, seine offene, herzliche Art und seine Hilfe.

 


 

Wenn du mehr über die Halbinsel Howth, das Theater oder die Orte, die James Joyce geprägt hat, erfahren möchtest, kann ich dir diese Links ans Herz legen:

http://www.visitdublin.com/hooked-on-howth-dublin

http://www.abbeytheatre.ie/whats_on/

http://jamesjoyce.ie/events/tours/

A Walk around James Joyce’s Dublin

 

3 Comments

  • Jessica

    Schöner Bericht!
    Erinnert mich an unseren Trip letzten August. Wir haben den letzten Tag zur Hälfte in Howth verbracht und dort Sonne und Meeresbrise am Pier genossen. Wunderbarer Kontrast zur City. Und einen netten Taxifahrer, der uns die Abreise gerettet hat, hatten wir auch 🙂 Einen Spezialpreis hat er uns zwar nicht gegeben, aber dafür den schnellsten Weg zum Flughafen gefahren und uns mit interessanten Geschichten über Dublins Unterwelt unterhalten. Tolle Leute, die Iren. War bestimmt nicht das letzte Mal, das wir auf dieser schönen Insel waren!

    • Hallo Jessica!
      Das freut mich immer, wenn es jemandem ähnlich ging wie mir ☺️ Ja, oder? Die Iren sind so redselig und offen! Und die Insel muss im Sommer noch viel schöner sein! Für uns war es auch definitiv nicht das letzte Mal!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: