Slow Travel in Hong Kong I warum es sich lohnt, langsam zu reisen

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So paradox es bei einer vibrierenden Stadt wie Hong Kong, die so gut wie nie schläft, klingen mag: hier habe ich mir zum ersten Mal auf Reisen ganz bewusst Ruhe gegönnt. Mir Zeit genommen. Alles um mich herum wahrgenommen und keine wilden Pläne geschmiedet, welche Hotspots ich in der Stadt unbedingt sehen musste. Im Gegenteil. Ich ließ mich ganz ohne Zeitdruck einfach treiben und mich spontan auf das ein, was kam.

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Wir sollten viel öfter einfach mal innehalten 

Denn schließlich wollte ich auf meiner Reise abschalten. Und das funktioniert bekanntlich nicht, wenn ich mich noch mehr stresse, als zuhause, wo ich mich kurz vorher noch nach einer Auszeit gesehnt hatte.

Aber um ehrlich zu sein: kennen wir das nicht alle? Wir erkunden ein neues Land oder eine Stadt und möchten die Zeit vor Ort natürlich so gut es geht auskosten. Die Destination bis ins kleinste Detail kennenlernen. Wie soll das funktionieren, wenn wir gerade DANN das Tempo rausnehmen? Wenn wir ohne Reiseplanung losziehen? In der Zeit, in der wir planlos und entspannt in einem Café rumsitzen und einen Kaffee schlürfen, könnten wir ja was verpassen. Oder nicht?

Verpassen wir wirklich etwas oder kommt es uns manchmal nur so vor? Sehen wir weniger, nur weil wir uns mehr Zeit nehmen? Das wollte ich rausfinden und habe auf meiner Reise nach Hong Kong das langsame Reisen ausprobiert …und es für mich entdeckt.

Wie ich das angestellt habe? Ich habe vor der Anreise wirklich nichts geplant. Dieses Mal wollte ich mich höchstens ein bisschen inspirieren lassen, um eine erste Idee von Hong Kong zu bekommen und nicht ganz orientierungslos in der asiatischen Metropole zu landen. Mir war nicht wichtig, jeden Ort zu sehen. Für mich stand eher im Vordergrund, auch noch Platz für Spontaneität zu lassen.

Ich machte mich am ersten Morgen also auf den Weg zur nächsten U-Bahn-Haltestelle, tippte mit verschlossenen Augen auf den Metroplan, setzte mich in die U-Bahn und fuhr bis zu der Station, die mein Finger auf der Karte ausgewählt hatte. Ohne konkretes Ziel. Spontan. Einfach, um zu sehen, was sich hinter diesem Ort verbirgt, wie die Menschen in diesem Stadtteil leben und das Flair abseits der bekannten Hotspots auf mich wirken zu lassen. Ich entdeckte ein belebtes Stadtviertel, von dem mir vor allem alltägliche Szenen im Gedächtnis geblieben sind. Menschen, die gerade beim Metzger einkauften; Senioren, die auf einer Parkbank saßen und sich die Sonne auf den Bauch schienen ließen; Geschäftsleute, die in Scharen aus ihren Bürotürmen kamen, um sich über das Mittagsbuffet an der nächsten Straßenecke herzumachen.

Am zweiten Tag entschied ich mich für einen Abstecher zum Shek O Beach im Osten von Hong Kong Island und verbrachte einen Vormittag mit meinem Buch am Strand. Entspannter hätte der Tag nicht starten können!

Metro: MTR Station Shau Kei Wan und dann Bus 9

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Sich mit Menschen auseinanderzusetzen, statt nur an Ihnen vorbeizuziehen, macht Entschleunigung aus

Auf dem Rückweg meines Ausflugs traf ich an einer Bushaltestelle eine durch die Welt reisende Fotografin, die mich mit ihren Projekten, ihrem Lebensstil und ihrem Ehrgeiz einfach nur begeisterte! Sie lebt oft ein paar Monate an einem Ort und nimmt sich Monate Zeit, bevor sie weiterzieht.

Wir kamen ins Gespräch und verabredeten uns für den nächsten Tag zum Wandern. Nach einer halbstündigen Bootsfahrt (oh Gott, ich hatte mal wieder erfolgreich meine Seekrankheit verdrängt), erkundeten wir die vorgelagerte grüne Insel Lamma Island ganz ohne Hektik, ohne Zeitdruck und ohne ein bestimmtes Ziel zu haben. Genau das machte den Tag zu einem der schönsten und spontansten in der Metropole und es sollte nicht der letzte dieser Art sein.

In den darauffolgenden Tagen ließ ich ebenso alles auf mich zukommen. So fand ich mich eines Abends bei zwei Hongkonesen zuhause wieder und philosophierte mit ihnen stundenlang über das Leben.

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Grüne Idylle in der Millionenmetropole

Kaum zu glauben, aber wahr! Hong Kong ist ein wahres Outdoor- und Wanderparadies! Als schnelllebige Businessmetropole in unseren Gedächtnissen veranktert, denken wir erst gar nicht daran, dass sie irgendwas mit Natur zu tun haben könnte. Ich habe mich vom Gegenteil überzeugen lassen, denn in Hong Kong wimmelt es nur so vor stillen Orten im Grünen! Abgesehen von den Parkanlagen mitten im Zentrum, verfügt die Stadt abseits vom Trubel über zahlreiche Wanderpfade. Ich war sofort hellauf begeistert und wanderte mit ein paar Leuten über den Rücken des Drachen, den Dragon’s Back, der als einer der schönsten Wanderwege der Insel gilt.

Und das Schönste daran: ich musste gar nichts dafür tun, meinen Tag zu entschleunigen. Das übernahm der wundervolle Ausblick für mich, der auf mich eine Art beruhigende Wirkung hatte und mich vollkommen entspannte.

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Mein Fazit

Hong Kong eignet sich hervorragend für entschleunigtes Reisen. Und verpasst habe ich definitiv nichts. Ich habe sogar das Gefühl, dass ich die Stadt besser kennengelernt habe, als wäre ich mit einem Reiseführer hektisch von A nach B gerannt. Woran das liegt? Ich hatte keinen festen Plan und somit keine Erwartungen und konnte deshalb auch nicht enttäuscht werden. Stattdessen bin ich zufrieden und erholt nach Hause geflogen: mit neuen Bekanntschaften und Eindrücken im Gepäck.

Du hast auch Lust bekommen, wandern zu gehen? Dann schaut doch mal bei Steffi von a daily travel mate vorbei! Sie hat als leidenschaftliche Wanderin einige nützliche Tipps für eine Wanderung auf dem Dragon`s Back.

Wie reist du am Liebsten? Magst du auch das langsame Reisen? Was war das schönste Erlebnis, an das du dich erinnern kannst? Hast du Fragen dazu oder selbst noch einen guten Tipp für Hong Kong? Dann ab damit in die Kommentare!


Dieser Artikel ist im Rahmen des Instagram Travel Thursday entstanden. Jana von Sonne & Wolken, ist seit zwei Jahren Cohost des deutschen Instagram Travel Thursday. Ein tolles Projekt, um Reisende zusammenzuführen und zu vernetzen, wie ich finde! und von anderen inspiriert zu werden!  Man gibt einfach einen bestimmten Hashtag ein und – Tadaaaa! – direkt erscheint eine bunte Ansammlung an Reisebildern.

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