Wie du kulturelle Unterschiede erkennst und mit ihnen umgehst

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Die Vorfreude, endlich mal wieder Zeit am Meer zu verbringen, ist groß! Endlich wieder die Seeluft genießen, dem Meeresrauschen lauschen, die nackten Füße im Sand spüren, barfuß am Ufer spazieren gehen…

Ende Juli haben wir ein paar Tage an der polnischen Ostseeküste in Swinemünde verbracht. Ein ehemals kleiner Kurort, der sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Urlaubsort für junge Familien und Senioren entwickelt hat.

Zurück kommen wir mit einem Koffer voller Überraschungsmomente und Erkenntnisse über Land und Leute. Es stimmt einfach, was Graham Greene einst über’s Reisen gesagt hat:

„Keiner kommt von einer Reise so zurück, wie er weggefahren ist.“   

 

 

Und wieder einmal merke ich, wie viel Wertvolles ich von einer noch so kleinen Reise mit nach Hause nehme. Jede Reise zeigt mir neue Perspektiven auf, lässt mich zumindest für einen Moment innehalten und über das Erlebte reflektieren.

 

Was wir in Swinemünde gelernt haben, möchte ich euch gern erzählen:

„Licht an!“, sagt Martin. Zu spät! Kaum sind wir über die deutsch-polnische Grenze gefahren, werden wir nach 20 Metern von der Polizei rausgewunken. Einer der drei Polizisten am Straßenrand kommt auf uns zu: „Your light!“

In Polen ist es Pflicht, 24 Stunden am Tag mit Licht Auto zu fahren.

„Oh, I’m sorry, I just switched it on!“, sage ich. Dass ich ihm weißmachen will, dass mein Licht schon an ist, gefällt ihm nicht so: „Your Driver’s License and Identity Card, please!“

Mann! Ich bin verwirrt und auch ein bisschen sauer. Auf mich. Ich habe mich vorher noch nicht mal über die Gegebenheiten in unserem Nachbarland informiert! Bin einfach davon ausgegangen, dass hier im Straßenverkehr alles so läuft, wie in Deutschland…

Da war es, das 1. Fettnäpfchen!

Nach ein paar Minuten dürfen wir weiterfahren: „Everything ok. Next time you’ll get a ticket! Have a nice day!“

Weiter geht’s!

Als wir Swinemünde erreichen und das Büro der Apartmentvermietung betreten, sage ich mit verunsicherter Stimme zu der jungen Polin hinter der Rezeption: „Hallo… ehh hello! Do…do you speak English… or even German?“

Im selben Moment stelle ich fest, dass ich nicht ein einziges polnisches Wort kann. Nicht ‚Hallo‘, nicht ‚Tschüss‘, nicht ‚Danke‘, gar nichts. Ich merke, wie sich ein unwohles Gefühl in mir breit macht.

Anderen erzähle ich, wie viel Respekt man fremden Kulturen entgegenbringt, wenn man nur ein paar Brocken der Landessprache kennt und nun stehe ich hier in Polen und muss einsehen, dass ich mich vorher überhaupt nicht mit der Kultur auseinandergesetzt habe.

Fettnäpfchen Nr. 2. Na super!

Ich habe allerdings Glück, denn die Frau lächelt uns freundlich an und sagt: „I waited for you, here’s your key!“ –  was für eine nette Begrüßung!

In den nächsten Tagen lernen wir noch einiges über die polnische Kultur, zum Beispiel wie viel indirekter Polen kommunizieren, als es in Deutschland üblich ist oder dass man Saunen nur mit Badesachen und Handtuch betreten darf (na klar, es ist ja auch ein streng katholisches Land). Darauf hätten wir auch selbst kommen können!

 

Welchen Wert Vielfalt hat

Während ich diese Zeilen gerade schreibe, wird mir immer bewusster, wie sehr ich unsere menschliche Vielfalt liebe!

Weil sie uns Dinge lehrt, uns manchmal sogar stoppt, wenn wir unser eigenes Verhalten zu sehr als selbstverständlich ansehen und uns auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Wie wichtig es ist, anderen Menschen unvoreingenommen und offen zu begegnen. Sich in sie reinzuversetzen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie man mit ihnen umgeht und andere Gewohnheiten und Bräuche zu akzeptieren. Auch, wenn wir sie nicht alle verstehen müssen.


“It is not our differences that divide us.
It is our inability to recognize, accept, and celebrate those differences.”
– Audre Lorde

 

Wie du kulturelle Unterschiede erkennst und mit ihnen umgehst

Hier ein paar meiner Strategien, wie du Menschen aus anderen Kulturen am besten begegnest:

 

Wahrnehmen, ohne zu urteilen: Wenn ich merke, dass ein Kulturkreis anders tickt, als mein eigener, nehme ich die Unterschiede zu allererst einfach nur wahr. Dabei versuche ich, nicht vorschnell zu urteilen, sondern besinne mich auf meine eigene Kultur, meine Weltanschauung, die Werte und Normen, die ich vertrete und reflektiere meine eigenen Denk- und Verhaltensmuster.

Warum das so wichtig ist?

Weil ich Menschen aus anderen Kulturräumen erst dann verstehen kann, wenn ich mir meiner eigenen Kultur bewusst bin. Wenn ich weiß, auf welchen Idealen und Vorstellungen meine Identität basiert. Wir können andere erst dann verstehen, wenn wir uns selbst kennen.

 

Offen sein & ehrliches Interesse zeigen: Erst jetzt setze ich mich mit der anderen Kultur auseinander. Meist – so wie in meinem Fall in Polen – geschieht das durch kognitives Lernen. Voraussetzung ist natürlich, offen auf die andere Kultur zuzugehen und Interesse daran zu haben, sie kennenzulernen.

 

Die Perspektive wechseln: Jetzt ist Empathie und Kommunikationsstärke gefragt! Ich versetze mich in die Lage des anderen und frage nach dem Warum seines Verhaltens, anstatt ein vorschnelles Urteil zu fällen. Die Perspektive zu wechseln, kann Wunder bewirken! Hat das Verhalten einen geschichtlichen Hintergrund, spielt der religiöse Einfluss eine Rolle oder ist es in der Erziehung verankert?

Je mehr wir reisen, desto leichter fällt es uns, Vertrauen aufzubauen, unsere Skepsis abzulegen und uns interkulturell verständigen zu können. Wir werden toleranter und lernen Diversität wertzuschätzen.

Und am Ende des Tages wünschen wir uns doch alle, verstanden zu werden und miteinander klarzukommen, oder?

 

Was ist deine Meinung dazu? Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder bist du ganz anderer Ansicht?

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