Der mystische See von Catemaco – unterwegs im mexikanischen Regenwald

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„Lasst uns morgen zur Lagune von Catemaco fahren! Da, wo Mel Gibson damals „Apocalypto“ drehen ließ!“ wirft Cynthia beim Abendessen entschlossen in die Runde. In dem Film geht es zwar um das Ende der Maya-Ära, aber sie erzählt uns, dass dort eigentlich ein anderes Volk gelebt hat. Meistens hört man in Verbindung mit Mexiko nur von den Maya und den Azteken und ihren Spuren, die sie auf der Halbinsel Yucatán bzw. in Zentralmexiko hinterlassen haben. Aber wie sieht es eigentlich mit anderen Hochkulturen aus? 

Habt ihr schon mal was von den Olmeken gehört? Ich auch nicht, bis ich das erste Mal bei meinen Freunden zu Besuch in Veracruz war. Die Olmeken gelten als Mutterkultur in Mittelamerika, die noch vor den Mayas gelebt haben, und über die man aber bis heute wenig weiß. Abgesehen von archäologischen Funden gibt es kaum Zeugnisse aus dieser Zeit. Spannend! 

„Macht ihr jungen Leute das mal, wir warten dann mit dem Essen auf euch!“, antwortet Cynthias Vater mit dunkler, beruhigender Stimme.

 

AUFBRUCH IN DEN MEXIKANISCHEN REGENWALD

Gesagt, getan. Am nächsten Morgen brechen wir früh auf, denn Catemaco liegt ca. 3 Autostunden von Veracruz entfernt und wir möchten genug Zeit haben, um die Umgebung zu erkunden. Von der Küste fahren wir durch die Ausläufe des Tuxtla-Gebirges, bis wir gegen Vormittag unser Ziel erreichen. Ich schaue rechts aus dem Fenster des Vans und erhasche hinter Palmen und Büschen einen Blick auf den riesigen See: Den Lago de Catemaco. Er ist einer der schönsten und größten Seen Mexikos und ursprünglich durch Vulkaneruptionen und starke Regenfälle, die typisch in dieser Region sind, entstanden.

Als ich die Autotür aufmache, trifft mich fast der Schlag! Dank der hochgedrehten Klimaanlage im Auto hätte ich jetzt mit allem gerechnet, aber nicht mit tropischem Klima. Wir sind mitten im Regenwald! Das Wärmeempfinden zwischen meinen mexikanischen Freunden und mir ist nämlich so verschieden, dass sie die Hitze im Auto bei gefühlten 18 Grad nicht mehr ausgehalten haben, während ich mir vor drei Stunden erst meinen Schal und dann auch noch meine Jacke angezogen habe. 

Ich steige aus und schaue mich um. Vor uns liegen ein paar Boote am Seeufer. Das Wetter ist trüb und verleiht dem See einen noch mystischeren Touch, als er sowieso schon hat. Kurze Zeit später sitzen wir zu siebt in einem überdachten, gelb angestrichenen Motorbötchen auf dem Weg zu einer der dreizehn Inseln im See von Catemaco. 

Unterwegs halten wir bei der sogenannten Affeninsel „Isla de Monos“ an. Mehr als 60 Affen leben hier, seit sie vor Jahren im Rahmen eines Forschungsprojekts aus Thailand angesiedelt wurden und sich rasant vermehrt haben. Scheint ihnen hier gut zu gehen!

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DAS NATURRESERVAT NANCIYAGA

Dann erreichen wir Nanciyaga. Ein Naturreservat auf einer Insel an der Nordseite des Sees. Mitten in einem Meer aus Wasserpflanzen steigen wir aus dem Boot und müssen jetzt noch über einen Holzsteg bis zum Ufer der Insel laufen.

Dort beginnt unsere einstündige Tour. Wir erfahren, dass in dieser Regenwaldregion einst das Volk der Olmeken gelebt haben soll. „Menschen der Kautschukregion“ heißt es übersetzt. Ein noch gut erhaltener Platz mit im Kreis angeordneten Steinen erinnert an einen astronomischen Kalender und deutet darauf hin, dass hier Zeremonien und Rituale stattgefunden haben könnten. Überall findet man Skulpturen, manchmal auch versteckt, die Aufschluss über die immer noch unerforschte Hochkultur der Olmeken gibt.

 

ÖKOTOURISMUS AUF NANCIYAGA

Der Guide gibt sich viel Mühe, offene Fragen zu klären und das hat auch einen Grund. Vor Jahrzehnten haben die Leute hier ein Ökotourismusprojekt gestartet, das sich dafür einsetzt, die tropische Flora und Fauna nicht nur zu schützen und Tierarten wie zum Beispiel Krokodile hier wieder anzusiedeln, sondern auch die umliegenden Dörfer einzubinden und für ein nachhaltiges Umweltbewusstsein zu sensibilisieren. Ein paar einheimische Familien arbeiten direkt im Naturreservat, andere – wie Bootsmänner, Restaurant- und Hotelbetreiber – sind indirekt daran beteiligt. Eine gute Sache, denn ich merke immer wieder, dass nur wenigen Mexikanern bewusst ist, was für Ausmaße die Zerstörung der Natur für ihre eigene Heimat hat. Mittlerweile ist das Regenwaldgebiet um Catemaco durch die UNESCO geschützt, aber als ich erfahre, dass das Ganze hier mal unberührter Urwald war und die Wälder für die Landwirtschaft abgeholzt wurden, bin ich trotzdem ein bisschen bestürzt.

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Später werden wir an einen Trinkwasserbrunnen herangeführt und dürfen aus einem riesigen Apichi-Blatt, deren Pflanze hier noch und nöcher wächst, trinken. Das Wasser soll besonders mineralhaltig sein.

Auch der Lehm der Insel hat einen hohen Mineralanteil, der eine entgiftende Wirkung hat, Feuchtigkeit spendet und die Haut ganz weich anfühlen lässt. Meine Freundin Deya lässt sich mit einer natürlichen Schlammmaske verwöhnen. 

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DER WASSERFALL SALTO DE EYIPANTLA

Vom Catemaco-See fließt der gleichnamige Fluss bis zum mexikanischen Golf, der dank der bergigen Landschaft im Laufe der Zeit zahlreiche Wasserfälle gebildet hat. Der bekannteste von ihnen ist der Salto de Eyipantla. Vom See ist es keine weite Fahrt und wir wollen uns ein eigenes Bild vom einstigen Paradies des Regengottes Tlaloc machen, der hier gewohnt haben soll. Daran haben zumindest die Azteken zu ihrer Zeit geglaubt.

Die Azteken? Die waren auch hier? 

Spätestens jetzt merke ich den Lauf der Zeit. Die Olmeken waren nicht die einzige Hochkultur, die sich hier niedergelassen hatte. Tausende Jahre später entstand an diesem Ort das Reich der Azteken.

Am Salto de Eyipantla angekommen geht es zwar ziemlich kommerziell und touristisch her, aber als wir vor diesem 50 Meter hohen Wasserfall stehen, sind wir alle beeindruckt! Ein Abstecher aus Catemaco lohnt sich auf jeden Fall!

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MEIN FAZIT

Während ich diesen Artikel in die Tasten haue, merke ich: ein Tagesausflug reicht so was von nicht aus! Ich muss nochmal dahin zurück! Es gibt so viel, was ich über Catemaco, die Vulkanregion, den Regenwald und die alten mexikanischen Zivilisationen noch erfahren will. Am meisten interessiert mich, wie es wohl mit dem Ökotourismus vorangeht. 

Habt ihr Lust auf mehr?

Caroline von „Shave the Whales“ hat einen wunderbaren Artikel über ihre Erlebnisse in Benito Juarez während ihrer Freiwilligenarbeit geschrieben > hier entlang

 

Und ihr? Wart ihr schon einmal im Regenwald und was waren eure Eindrücke und Erlebnisse? Vielleicht wart ihr sogar an einem sozialen Projekt beteiligt? Das würde mich sehr interessieren! 

 

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