San Sebastián: ein Wochenende in der Kulturhauptstadt Europas

Home / Europa / San Sebastián: ein Wochenende in der Kulturhauptstadt Europas

Kaum zu glauben, aber nach drei Jahren betrete ich das erste Mal wieder spanischen Boden (ok, nicht ganz richtig, aber zumindest, wenn man Zwischenlandungen in Madrid nicht mitzählt). Und diesmal geht es in eine der beiden diesjährigen Kulturhauptstädte: San Sebastián. Ich bin gespannt, welchen Eindruck die Stadt wohl nach 10 Jahren auf mich macht. So viel Zeit ist nämlich vergangen, seit ich das letzte Mal hier war.

Kulturhauptstadt? Wofür steht die eigentlich genau?

Europa ist ja bekanntlich mit all seinen Sprachen, Traditionen, Werten und Religionen – im Grunde mit all dem, was Kultur ausmacht, ein sehr heterogener Kontinent. Ich reise gern in andere europäische Länder und spreche die ein oder andere europäische Sprache. Aber wenn ich von Menschen gefragt werde, die auf anderen Kontinenten zuhause sind, ob ich mich als Europäerin oder eher als Deutsche fühle, dann erwische ich mich dabei, dass ich darauf keine klare Antwort geben kann. Denn natürlich fühle ich mich sowohl europäisch, als auch deutsch.

Ob man sich nun mit dieser Fragestellung auseinandersetzen sollte, steht auf einem anderen Blatt, aber zumindest hat es die EU vor über 31 Jahren getan und eine Initiative ins Leben gerufen, die sich seitdem dafür einsetzt, das Gefühl von europäischer Zusammengehörigkeit zu stärken und zu zeigen, welchen Reichtum Europa dank seiner kulturellen Vielfalt hat.

Kultur für ein besseres Zusammenleben

In diesem Jahr hat es sich die baskische Küstenstadt San Sebastián zur Aufgabe gemacht, zu einem friedlichen Miteinander aufzurufen. „Cultura para convivir“ heißt das Motto: Kultur, um zusammenzuleben. Ein Thema, das in der Vergangenheit schon von vielen Seiten aufgegriffen wurde. Bei San Sebastián allerdings habe ich das Gefühl, die Stadt weiß genau, wovon sie redet. Denn sie hatte mehrere Jahrzehnte mit dem ETA-Terror zu kämpfen und konnte diese Zeit erst vor über viereinhalb Jahren hinter sich lassen, als die Terrororganisation ihre Waffen niederlegte. Als Kulturhauptstadt möchte sie nun zeigen, dass Kultur als Werkzeug dienen kann, um eine Gemeinschaft zu bilden und friedlich mit- und nebeneinander zu leben. Selbst, wenn wir andere Blickwinkel nicht immer verstehen. Selbst, wenn wir manchmal nicht den Kopf dafür haben, uns in die Lage des anderen zu versetzen. Zusammen tanzen, Musik machen, singen, reden, diskutieren, gemeinsam essen, trinken und zusammen Spaß haben hilft uns, uns besser kennenzulernen und vielleicht auch, uns anderen zu nähern.

In diesem Kulturhauptstadtjahr soll jeder Teil des Projekts werden und sich einbringen. Und das dürfen auch wir an unserem Wochenende in San Sebastián erleben. Hier ein paar Eindrücke in Bilderform – die möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten:

san-sebastian-spain (23)
Beste Stimmung bei einer Sambatanzeinlage im centro histórico


Immer den Trommeln nach! Schon von weit weg schallt das fröhliche Getrommel, als wir kurz vorher noch oben auf dem Stadtberg stehen. Eine Sambatruppe, die kreuz und quer durch die engen Straßen und Gassen der Altstadt zieht,  begeistert mit Musik und Tanz einfach jeden, der vorbeikommt, und animiert zum Mitfeiern. Da muss man einfach mitmachen! Ich zumindest kann meine Hüften und Füße nicht einen Moment mehr stillhalten.

san-sebastian-spain (24)
Samba in der Altstadt San Sebastiáns: Lebensfreude pur


Wir ziehen weiter und ganz egal, wo wir uns aufhalten, ist die Stadt voller Leben. Es ist ein kunterbuntes Gewimmel an Familien und Freunden,…

san-sebastian-spain (27)

 

…Straßenmusikern und Künstlern,…

san-sebastian-spain (17)

…Einheimischen und Touristen,…

san-sebastian-spain (25)

san-sebastian-spain (18)

…die sich zur Mittagszeit in der Stadt treffen, um das Wochenende in vollen Zügen zu genießen…

san-sebastian-spain (26)

san-sebastian-spain (28)

… oder die kilometerlangen Strandpromenaden und das Hinterland zum gemeinsamen Radfahren, Inlinerfahren, Joggen und Wandern nutzen oder einfach einen Spaziergang machen.

Beste Lage für Outdoor-Akivitäten

Sport unter freiem Himmel ist hier besonders beliebt. Aber es wäre nicht San Sebastián, wenn sich jeder nur mit sich selbst beschäftigen würde. Wo wir hinsehen, sehen wir sportbegeisterte Basken in Grüppchen: Surfer, die an der Surferbucht Zurriola ihr Glück in den Wellen versuchen,…

surfer-San-sebastian-zurriola-beach

…trainierende Ruderer,…

san-sebastian-rudern

san-sebastian-standup-paddle

…und Stand-up-Paddler bei einem Wettkampf.

san-sebastian-spain (31)

Wenn ich das nächste Mal hierhin komme, packe ich neben Bikini und Strandtuch definitiv eine komplette Sportausrüstung ein. Naja, zumindest nehme ich es mir vor…

Ein wahres Feinschmeckerparadies am spanischen Golf von Biskaya

Es schlemmt sich mit Sicherheit nirgends besser, als im Baskenland. Das hatte ich schon vor unserer Reise gehört, aber jetzt kann ich es auch bestätigen! Selbst die Pintxos – quasi die baskische Premiumvariante der spanischen Tapas – sind kleine, kulinarische Kunstwerke. Da wundert es mich auch nicht mehr, dass San Sebastián mit so einigen Restaurants mit Michelin-Sternen glänzt. 

san-sebastian-pintxos-tapas
Der Pintxo – die baskische Antwort auf die spanischen Tapas

pintxos-tapas-san-sebastian-spain

Egal, ob mittags, nachmittags oder abends, die Pintxo-Bars sind zu jeder Tageszeit Treffpunkt für Jung und Alt. Und das schönste daran: niemand wird hier ausgeschlossen. Viele kommen sogar alleine auf einen Pintxo oder ein Bier vorbei. Denn kaum hat man sich hingesetzt, ist man nämlich schon in ein Gespräch mit einem anderen Gast oder mindestens mit einem Kellner verwickelt. 

Mein Fazit nach unserem Wochenendkurztrip:

Die Stadt lebt tatsächlich, was sie für das Kulturhauptstadtjahr verspricht. Im Vordergrund steht dabei immer die Gemeinschaft. Und dafür liebe ich die Spanier!

 

 

3 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: