San Sebastiáns Küche – gastronomische Perle am kantabrischen Meer

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Eine der schönsten Möglichkeiten, ein Land auf authentische Weise kennenzulernen und einen Einblick in eine andere Kultur zu gewinnen, ist für mich ohne Zweifel über die lokale Gastronomie. Sie ist jedem zugänglich und man lernt auf diesem Weg viel über Gewohnheiten und Traditionen, die weit über das Essen hinausgehen.

Ich liebe es, mich in ein Restaurant oder eine Bar zu setzen und die Atmosphäre einfach erst einmal auf mich wirken zu lassen. Teil des Ganzen zu sein. Mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Ich muss sagen, ich bin sogar ein bisschen neidisch, wenn ich sehe, wie vielseitig die Esskultur in anderen Ländern aussieht und ich dann feststellen muss, dass wir Deutschen der eigenen Gastronomie definitiv zu wenig Bedeutung einräumen.

Willkommen in San Sebastián

In San Sebastián, im hohen Norden Spaniens, ist es jedenfalls ganz anders. Hier wird die Gastronomie regelrecht gelebt. Und das seit Generationen. Ohne ihre hochwertige Küche und ihre zahlreichen Pintxo-Bars wäre die Stadt nicht dieselbe.

Dass San Sebastián in diesem Jahr zur Kulturhauptstadt 2016 gekürt wurde, macht mich noch neugieriger, der Stadt einen Besuch abzustatten. Ich möchte wissen, was das Besondere an ihrer Esskultur ist und was die Kultur sonst noch zu bieten hat.

Die baskische Gastronomie ist ein Stück Lebensqualität

Es gibt wohl kaum einen San Sebastianer, der mit der Gastronomie nicht eng verbunden ist. Die Esskultur gehört einfach zur Lebensform der Stadt dazu. Sie bedeutet Lebensqualität, ja sie ist sowas wie eine Lebenseinstellung, zu der mehr, als nur das reine Essen gehört. Den Basken liegt nicht nur die Qualität der Zutaten am Herzen, sie verstehen es auch, aus dem Kochen eine Kunst zu machen. Jeder trägt hier seinen Teil dazu bei.

Die Fischer und Landwirte, die die Bars mit lokalen Produkten beliefern, die Kellner, die mit Leib und Seele ihre Gäste bewirten, die San Sebastianer, die die Esskultur so sehr zelebrieren und nicht zuletzt die renommierten Köche mit ihrer Kochkunst. Aber das Wichtigste in San Sebastián ist und bleibt – wie überall in Spanien – wohl immer noch das Beisammensein. Sich abends mit Freunden, Kollegen, der Familie oder Bekannten zu treffen und bei einem Zurito (baskisch für kleines Bier) oder einem Glas Txakoli (Rotwein) das Leben zu genießen.

San Sebastián geht durch den Magen

Es ist eine Art Ritual. „Vamos de pintxos“ heißt es, wenn die Einheimischen sich für eine baskische Tapas-Tour verabreden. Pintxos sind kleine Häppchen, die in den zahlreichen Bars zu einem Getränk serviert werden. Namensgebend sind die zahnstocherartigen Holzspießchen, mit denen die baskischen Tapas auf ein Stück Baguette gespießt werden. Wir sind neugierig und möchten das Flair auch unbedingt erleben. Dank der Tipps unserer Airbnb-Gastgeberin schlendern wir ins centro histórico, der Altstadt San Sebastiáns.

Schnell merken wir, dass wir die Tipps kaum gebraucht hätten, denn es wimmelt hier nur so von Pintxos-Bars. Wir probieren die erste Bar in der Calle Fermín Calbetón aus und stellen uns an die Theke. Bei einer Tapas-Tour setzt man sich selten hin, sondern nimmt ein, zwei Pintxos im Stehen ein und wechselt dann in die nächste Bar.

Und trotzdem keine Spur von der meiner Meinung nach viel zu verbreiteten To-Go-Mentalität. Hier findet das Essen nicht im Vorbeigehen statt, sondern man nimmt sich Zeit. Und dabei wird es hier vermutlich auch noch lange Zeit bleiben.

Eine Tour durch die Altstadt San Sebastiáns

Auf der Theke stehen in drei Reihen lauter kleine Leckerbissen auf großen Tellern drapiert. Ich möchte bestellen, aber verstehe mein eigenes Wort nicht. Wie sehr hatte ich das vermisst! Die Spanier sind laut und lebendig. Ich liebe das!

Also rufe ich mehrmals über die Theke, bis mich ein Kellner auf Baskisch begrüßt und uns zwei Teller rüber reicht. Wir dürfen uns die Pintxos selbst nehmen. Sie sind ein wahrer Genuss. Zwar sind mir Tapas aus anderen spanischen Regionen durchaus bekannt, aber diese hier sind einzige kulinarische Kunstwerke. In Form kleiner Häppchen.

Wir ziehen weiter. Von Bar zur Bar. Mittlerweile haben wir das ein oder andere Zurito intus, aber mit jedem weiteren Pintxo macht uns unsere Tour immer mehr Spaß. Der Großteil aller Tapas-Bars befindet sich zum Glück im „centro histórico“, so dass man sie bequem zu Fuß erreichen und quasi von einer in die nächste stolpern kann.

Das Besondere an der Altstadt ist vor allem ihre hohe Dichte an Restaurants, Kneipen und Bars, die es so sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Die belebteste und bekannteste Gasse ist die Calle Fermín Calbetón. Hier befindet sich auch mein persönlicher Favorit: die Bar Munto (C/ Fermín Calbetón 17).

Am Ende des Abends bin ich mir sicher: unser Wochenendtrip hätte sich sogar als reine kulinarische Reise gelohnt. Ein unvergessliches Erlebnis, das ich jedem von euch ans Herz legen möchte.

Wissenswertes auf einen Blick

Ihr möchtet San Sebastián auch erleben? Dann nichts wie hin! Ich habe hier noch ein paar nützliche Tipps für euch:

Gehobene Küche: San Sebastián lebt nicht nur von seinen kleinen Leckereien, sondern hat eine der besten Küchen weltweit. Neben Kyoto ist sie eine der Städte mit der höchsten Dichte an Restaurants, die mit Michelin-Sternen ausgezeichnet sind. Erfahrt mehr auf San Sebastián Turismo.

Kultur und Aktivitäten: Die baskische Stadt ist neben kulinarischer Metropole auch die diesjährige Kulturhauptstadt Europas und bietet ein großes Angebot rund um Kultur und Sport. Infos findet ihr hier und hier.

Übernachtung: Nur 100 m vom Strand La Concha entfernt haben wir ein schönes Zimmer in einer kleinen Nebenstraße gefunden. Schaut doch auch mal bei Airbnb vorbei.

Anreise: San Sebastián ist sehr gut angebunden und hat sowohl einen Bahnhof, einen Busbahnhof als auch einen 20 km von der Stadt entfernten Flughafen. Ich empfehle euch, einen Flug nach Biarritz, Bilbao, Madrid oder Barcelona zu buchen und den Rest mit dem Bus (Alsa) oder dem Zug (Renfe) zu fahren. So seht ihr auch noch was von der Landschaft. Denn wie heißt es doch so schön? Die Reise ist das Ziel. Ihr könnt aber auch ab Madrid oder Barcelona (z.B. mit vueling) nach San Sebastián fliegen. Mehr Infos hier.

 

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