Sri Lanka wie es leibt und lebt – Teil 2 unserer Reiseroute: aktiv im Hochland

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Kennt ihr schon den 1. Teil unserer Reiseroute durch Sri Lanka? In den ersten 6 Tagen haben wir die Zentralprovinz des Landes erkundet und sind nun auf Kurs ins Hochland.

 

Tag 7: eine Bootsfahrt die ist lustig, eine Bootsfahrt, die ist schön

Für uns steht ab heute Sport auf dem Programm. Spontan buchen wir noch von Kandy aus eine Rafting Tour. Nach ca. 60 km und zwei Stunden Fahrt erreichen wir Kitulgala. Das Örtchen ist bekannt, denn im nahe gelegenen Kelani River gibt es dank der vielen Stromschnellen die besten White Water Rafting Touren. Vor Ort bieten zahlreiche Anbieter ihre Touren an, die ihr übrigens auch online buchen könnt. Ihr könnt hier sogar in Camps übernachten und mehrere Tage bleiben. Wir haben für unsere Tour inklusive Fahrt von Kandy nach Nuwara Eliya 4200 LKR, also 25 Euro bezahlt.

 

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Die Tour kann beginnen! Wir bekommen eine Weste umgeschnallt, je ein Paddel in die Hand gedrückt und dann geht es mit zwei jungen Srilankanern abwärts Richtung Fluss. Wir fühlen uns bei den beiden gut aufgehoben. Sie erklären mit Humor, worauf zu achten ist und dann springen wir im wahrsten Sinne des Wortes ins kalte Wasser.

Ich habe zwar noch ein paar Zweifel, nicht aus dem Schlauchboot zu fallen, doch die vergehen schnell, denn die beiden Jungs erklären uns an ruhigen Stellen des Flusses immer wieder, was zu tun ist – wann links, wann rechts und wann gar nicht gepaddelt werden soll. Kurz vor den Stromschnellen heißt es dann nur noch: am Boot festkrallen und rein ins Abenteuer!

Es ist ein wunderbares Erlebnis! Für mich ist es die erste Raftingtour in meinem Leben und deshalb für mich doppelt so besonders. Und es wird sogar noch getoppt. Am Ufer steht ganz unscheinbar ein fressender Elefant im hohen Gras und streckt uns sein Hinterteil entgegen. Klar hab ich schon mal einen Elefanten gesehen, aber einen in freier Wildbahn zu sehen, ist ein ganz magischer Moment!

Kurz vor Ende der Tour dürfen wir in den Fluss springen und uns bis zum Camp treiben lassen. Unvergesslich und bestimmt nicht meine letzte Schlauchbootfahrt!

 

Durchs Hochland nach Little England

Von Kitulgala sind es bis in die ehemalige britische Kolonialstadt Nuwara Eliya, die auch liebevoll Little England genannt wird, noch ungefähr zwei Stunden Fahrt. Auf der Strecke durch das südliche Hochland der Insel werdet ihr merken, wie schnell sich die Landschaft von tropischen Gewächsen in Teeplantagen verwandelt und ihr bald weit und breit kaum was anderes, als grüne Felder und Berglandschaften seht. Kein Wunder! Das Klima hier oben ist perfekt für den Anbau von Tee.

 

Das dachten sich auch die Engländer, als sie sich Mitte des 19. Jahrhunderts am Fuße des höchsten Berges Sri Lankas Pidurutalagala (zu Englisch: Mount Pedro) niederließen, sich erst in der Bierproduktion und dem Kaffeeanbau ausprobierten und Nuwara Eliya schließlich zum Zentrum des Teeanbaus machten.

Die Gegend ist im Vergleich zur tropischen Wärme der Zentralprovinz und zur feuchten Hitze der Küstenorte eine wahre Abkühlung. Gestern haben wir noch so geschwitzt, dass wir ohne Klimaanlage wahrscheinlich nachts kein Auge zugetan hätten. Heute freuen wir uns über nichts mehr, als über die warme Bettdecke in unserem Pensionsbett.

Unsere Unterkunft Chez Allen liegt zentral gelegen auf einem Hügel mit Blick über die Stadt. Der Besitzer Allen und seine Familie sind sehr gastfreundliche Menschen. Wir haben wieder großes Glück, denn wir treffen Allen nämlich rein zufällig auf der Straße und wollen ihn eigentlich nur nach dem Weg fragen. Als er uns ein Zimmer in seiner Pension anbietet und merkt, dass die Preise über unserem Budget liegen, überlegt er einen Moment, öffnet seine Arme und lächelt freundlich: „God bless you! You`re welcome in my house!“

Stimmt, mittlerweile sind wir ja in einer christilich geprägten Region Sri Lankas angekommen. Es wirkt sogar ein wenig unwirklich, als wir mit Allen auf der Dachterrasse einen Tee trinken und von allen Seiten des Tals  gleichzeitig Kirchenglocken, muslimische und buddhististe Gebete aus Lautsprechern schallen.

Das Faszinierende an Sri Lanka – und vor allem an Nuwara Eliya – ist, dass hier Christen, Buddhisten und Muslime nicht nur friedlich zusammenleben, sondern ihre Religionen auch unbeeindruckt voneinander aktiv ausleben.

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Tag 8: Aufstieg zum Pidurutalagala

Nach einem ausgiebigen Frühstück auf der Dachterrasse besteigen wir mit Allens Nachbarn Elvis und einem Freund den Pidurutalagala. Im Nachhinein ein wahres Abenteuer! Es geht ohne befestigte Wege querfeldein tief durch einen dichten Nebelwald, durch Büsche und Sträucher, 1000 Schrammen, kein Mensch weit und breit, zwei Hunde, zwei Srilankaner und wir. Aber es hat sich wieder einmal gelohnt! An der Spitze des Berges werden wir mit einem atemberaubenden Panoramablick belohnt.

 

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Der Abstieg ist zum Glück einfacher und zum Abschluss lädt uns Elvis zu sich nach Hause ein und stellt uns seine Familie vor.

Pedro Tea Estate und köstlicher Ceylontee

In Nuwara Eliya führt kaum ein Weg an einem Teeplantagenbesuch vorbei. Es ist der Ort, an dem die Geschichte des berühmten Ceylontees begann. Nur 3 Kilometer von der Stadt entfernt liegt eine der zahlreichen Plantagen in der Umgebung, die Pedro Tea Estate, die ihren Namen dem Mount Pedro zu verdanken hat. Hier arbeiten rund 1300 Pflückerinnen und Fabrikarbeiter, die teilweise auch auf dem Gelände wohnen. Sogar eine Schule wurde hier für die Kinder eingerichtet. Eine Fabrikangestellte führt uns durch die Fabrik und erzählt uns alles über die Herstellung des Tees.

Wusstet ihr, dass aus den verschiedenen Blättern ein und derselben Teepflanze vier Sorten Tee – Grüntee, Schwarztee, Silver Tip und Golden Tip – hergestellt werden?

Im Anschluss an die Führung genießen wir einen Schwarztee auf der Veranda mit Blick über die Teefelder und den Mount Pedro. Unglaublich, dass wir diesen Berg heute morgen hochgekraxelt sind!

Leider erfahren wir von der Pflückerin auch, wie wenig Lohn sie täglich verdient. Mit 600 LKR (3,70 Euro) ist sie gezwungen, 6-7 Tage pro Woche zu arbeiten, um ihre Familie ernähren zu können. Sie klingt allerdings ganz und gar nicht verzweifelt, sondern nimmt es, wie es ist und scheint damit ganz zufrieden zu sein.

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Tag 9: von Nuwara Eliya nach Ella

Nach einem letzten Frühstück mit Panoramablick geht es mit dem Tuk Tuk zum 10 km entfernten Bahnhof Nanu Oya, denn Nuwara Eliya hat zwar einen Busbahnhof, aber keine Bahnstation. Die Tickets nach Ella kosten nur 60 LKR, also gerade mal 0,37 Euro. Wir buchen wieder ein Dritte-Klasse-Ticket, da Tickets der ersten und zweiten Klasse seit Tagen ausverkauft sind. Einen Sitzplatz ergattern wir zwar wieder nicht, aber finden einen Platz direkt an der offenen Zugtür. Bei 30 km/h Geschwindigkeit kein Problem!

Die Zugstrecke von Kandy über Nuwara Eliya nach Ella gilt als eine der schönsten der Welt und ist in den letzten Jahren selbst zu einer Touristenattraktion geworden. Ihr habt die Möglichkeit, mit der staatlichen Bahn Sri Lanka Railways oder mit einem der beiden privaten Anbieter Expo Rail oder Rajadhani Express zu fahren. Auf der Website von Sri Lanka Railways findet ihr Informationen zu Fahrplänen; Zügen und Ticketpreisen, könnt aber im Gegensatz zu Expo Rail und Rajadhani Express eure Tickets nicht online, sondern nur an den Bahnhöfen buchen.

TIPP: Für europäische Verhältnisse sind Erste-Klasse-Tickets der privaten Züge (10,00 – 15,00 Euro pro Ticket) recht günstig. Seid ihr Sparfüchse, kommt ihr mit der staatlichen Bahn noch günstiger weg.

 

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WISSENSWERTES: Auch das Eisenbahnnetz hat Sri Lanka den Engländern zu verdanken. Ursprünglich wurde es Mitte des 19. Jahrhunderts für Transportzwecke gebaut, um Kaffee und später auch Tee aus dem Hochland nach Colombo zu transportieren, um ihn von dort aus in die Welt zu exportieren.

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In Ella melden wir uns kurzerhand für einen Kochkurs im Spice Garden an. Der Kurs findet bei einer kleinen Familie zuhause statt und schneller, als wir gucken können, sitzen wir im Wohnzimmer der Familie auf der Couch und warten darauf, dass es losgeht. Bevor es in die Küche geht, erfahren wir alles über die Bedeutung und Anwendung lokaler Gewürze. Die Atmosphäre ist sehr familiär und es fühlt sich fast so an, als wären wir bei Freunden eingeladen. In der Küche haben wir einen riesigen Spaß und lernen Schritt für Schritt, wie man srilankische Currygerichte kocht. Ich kann es nur jedem von euch ans Herz legen!

 

 

WISSENSWERTES: Wusstet ihr, dass Knoblauchcurry die Spezialität der Region ist und pro Person 20 Knoblauchzehen verarbeitet werden? Klingt, als könnte man danach drei Tage nicht unter Leute gehen, ist aber in Wirklichkeit halb so schlimm, da der Knoblauch zusammen mit den anderen Zutaten eine halbe Stunde gekocht wird.

Tag 10: Ella Rock

Ella ist eines der Highlights auf unserer Tour durchs Hochland. Obwohl das Örtchen im Prinzip nur aus einer Straße mit Bars, Cafés und Gästehäusern besteht, ist es perfekt, um hier ein paar Tage zu entspannen. Umgeben von wundervoller Berglandschaft könnt ihr hier wandern gehen, Ausflüge in Nachbarorte, zu Wasserfällen und Teeplantagen machen oder einfach mal eine Auszeit bei einem Cocktail oder Bier in einer der Bars nehmen. Das Café Chill ist im wahrsten Sinne des Wortes der beste Ort zum Chillen.

Wir entscheiden uns fürs Wandern. Der Wecker klingelt früh. Eigentlich viel zu früh. Um 8.00 Uhr sind wir mit Minibananen, süßen Brötchen und viel Wasser im Gepäck auf dem Weg zum Ella Rock. Der Weg führt über stillgelegte Bahngleise, durch Teeplantagen, vorbei am Rawana Ella Fall, über bewaldete Pfade und wieder erwartet uns am Gipfel ein traumhafter Ausblick.

 

TIPP: Achten solltet ihr unbedingt auf Schlepper. Sie zeigen sich hilfsbereit und bieten an, euch den Weg zu zeigen, aber verlangen am Ende ein saftiges Trinkgeld und sind schwer wieder loszuwerden. Also am Besten von Anfang an abwimmeln! Den Weg zum Gipfel findet ihr auch problemlos alleine!

 

Tag 11: Little Adam’s Peak

Unser letzter Tag im Hochland bricht an. Die Wanderung auf den Little Adam’s Peak auf der anderen Seite des Ella Gap-Tals stellt sich als zweistündiger Spaziergang heraus, also für einen Vormittags- oder Nachmittagsausflug sehr empfehlenswert.

Der Weg schlengelt sich mehrmals um den Berg herum und führt auch hier mitten durch eine Teeplantage, auf der wir zum ersten Mal Pflückerinnen bei der Arbeit sehen. Die einen sind fleißig dabei, ihre Säcke zu füllen, die anderen bringen sie in die Teefabriken zum Wiegen. Auch wenn sie nicht viel verdienen: clever und geschäftstüchtig sind sie allemal: gerne stehen sie als Fotomodell für interessierte Touristen zur Verfügung und verlangen anschließend pro Foto ca. 50 Cent. 

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