Sri Lanka wie es leibt und lebt – Teil 1 unserer Reiseroute: das kulturelle Dreieck

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Denkt ihr schon über ein Reiseziel im nächsten Jahr nach oder spielt sogar mit dem Gedanken, dieses Jahr nochmal wegzufahren? Dann kann ich euch ein wundervolles Reiseziel ans Herz legen: Sri Lanka ist neben Island DAS Reiseziel 2016 und ich kann es bestens nachvollziehen. Unsere dreiwöchige Reise über die Insel war sehr beeindruckend und hat mich positiv überrascht, wenn nicht sogar ein wenig umgehauen.

Erfrischend, freundlich, hilfsbereit, eifrig, farbenfroh, friedlich, traditionell. Das schießt mir durch den Kopf, wenn ich an dieses wundervolle Land im indischen Ozean denke. Und ich finde, das beschreibt die Insel ziemlich gut. Sri Lanka ist ein unglaublich facettenreiches Land auf kleinstem Raum und wird nicht umsonst die königliche Insel im Indischen Ozean genannt. Um euch eine Vorstellung zu geben: Sri Lanka wird in Bezug auf seine Größe oft mit Bayern verglichen, denn flächenmäßig sind sie fast gleich groß. In Anbetracht dessen ist es ganz schön bemerkenswert, dass das Land nicht nur landschaftlich, sondern auch kulturell so vielfältig ist. Und genau das macht den Charme der Insel aus!

Deshalb bekommt ihr von mir heute die Reiseroute unserer Frühlingsreise und ich hoffe, dass ihr euch mitreißen lasst und euch auch bald auf den Weg macht! Von Kultur über Tradition, paradiesische Landschaften, eine artenreiche Tierwelt, Sport und Entspannung ist alles dabei!

 

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Tag 1: Ankunft in Colombo

Nach einem 6-stündigen Aufenthalt auf den Malediven und zwei Sonnenbrände weiter kommen wir abends am Flughafen in Negombo an. Negombo liegt ca. 30 km von Sri Lankas Hauptstadt Colombo entfernt. Je nach Streckenverhältnissen dauert die Fahrt zwischen 40 und 60 min. Wir suchen uns also ein Taxi, das uns zu unserer ersten Bleibe bringt und werden nach unserem ersten Feilschenversuch fündig. Es kann losgehen!

Die erste Fahrt in einem neuen Land, sei es mit dem Bus, Zug oder Taxi, ist für mich immer etwas Besonderes. Es vermittelt mir den ersten Eindruck des Landes und ist für mich gleichzeitig der Zeitpunkt, an dem ich mich fallen lasse und völlig in ein Land eintauche. Es gibt kaum etwas, was mich mehr entspannt, als das Gefühl zu haben: ich bin angekommen. Ich sitze dann neugierig und gespannt da, lasse alle Eindrücke erstmal einfach so auf mich einprasseln und freue mich darauf, was kommt.

 

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Auf den Straßen herrscht ein einziges Gewusel. Überall tutet und trötet es und alle grüßen sich mit einem freundlichen „Hup huuuup!“, um jedem mitzuteilen „Hallo, hier bin ich. Achte auf mich!“ Chaotisch, aber herzlich. Für mich ist es der Inbegriff des blühenden Lebens. Ich liebe es bunt und ich liebe es, zuzusehen, wie andere Kulturen funktionieren! Jeder achtet hier auf den anderen, niemand meckert, niemand pocht auf sein Recht. Wie auch? Verkehrsregeln gibt es hier schließlich nicht. Genauso wenig wie Navigationssysteme. Aber zu helfen weiß sich hier trotzdem jeder. Unser Taxifahrer bittet uns um die private Nummer unseres Hosts, ruft bei ihm zuhause an und lässt sich den Weg erklären. Nicht nur einmal, sondern ohne Scheu gleich drei-, viermal.

Unsere Unterkunft haben wir übrigens über eine Airbnb-ähnliche Plattform namens Homestay gefunden, bei der viele Srilankaner angemeldet sind. Als wir ankommen, fallen wir nach einem leckeren Original Ceylontee direkt ins Bett. Denn am nächsten Morgen wollen wir die Großstadt schon wieder verlassen und weiter Richtung Norden in das sogenannte Kulturelle Dreieck Sri Lankas ziehen.

 

Tag 2: von Colombo nach Anuradhapura – wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Das Gewusel nimmt auch am Bahnhof der Hauptstadt Colombo kein Ende. Wie kommen wir am Ticketschalter eigentlich darauf, uns hinten anzustellen? Hier herrschen andere Regeln und schnell wird uns klar: mit unserem deutschen „wir stellen uns brav hintereinander auf“ kommen wir hier nicht weiter. Ganz im Gegenteil: je näher wir dem Fahrkartenverkäufer unsere Geldscheinchen unter die Nase halten, desto eher bekommen wir unser Ticket. Na dann mal los!

Mit einem Dritte-Klasse-Ticket für umgerechnet 1 Euro (75 Rupie) stehen wir am Bahnsteig und werden mehrmals von Einheimischen angesprochen: „The 2nd class is over there!“ Müssen wir uns etwa Sorgen machen, dass die dritte Klasse vielleicht doch nicht die richtige Wahl war? Was soll’s. Wir warten gespannt. Als der Zug einfährt, trauen wir unseren Augen nicht. Von zwei Bahnsteigen stürmt eine Masse wildgewordener Srilankaner ohne Rücksicht auf Verluste in den Klapperzug. Wir haben keine Chance! Ich muss vor Lachen erstmal stehenbleiben und warte ab, was passiert. Aber ich kann gerade sowieso weder einen Schritt vor, noch einen zurückgehen. Ich sach ja: das pure Leben! Als wir uns wieder bewegen können, finden wir zum Glück doch noch ein freies Fleckchen am Fenster, setzen uns auf unsere Backpacks und freuen uns auf die Zugfahrt in den zentralen Norden. In die 200 km entfernte Königsstadt Anuradhapura.

 

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Es ist zwar heiß, der Zug rattert laut vor sich hin, die Fenster stehen offen und wir werden regelrecht durchgeschüttelt, aber das stört mich kein bisschen. Der Fahrtwind weht uns um die Ohren und wir haben vier Stunden lang einen fantastischen Ausblick auf die Natur, die mit ca. 50-60 km/h an uns vorbeizieht.

TIPP: wer nicht in der 3. Klasse fahren möchte, sollte sich ein paar Tage im Voraus online ein Ticket bestellen oder 1-2 Stunden vor Abfahrt am Bahnhof sein.

 

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Vor dem Bahnhof in Anuradhapura stehen ein paar Tuk Tuks in Reih und Glied aufgestellt, die uns alle als Kunden gewinnen wollen. Wir entscheiden uns für den, der am wenigsten Lärm macht und haben mit ihm einen richtigen Glücksgriff getan. Sein Name ist Lalith. Er fährt nicht nur geduldig mit uns verschiedene Gasthäuser an, bis wir die richtige Unterkunft für uns gefunden haben, sondern erweist sich auch als fantastischer Tourguide, der uns die nächsten zwei Tage motiviert und fürsorglich seine Kultur und die Königsstadt näherbringen soll. Ich empfehle euch übrigens, euch eine Unterkunft in der Nähe der Ausgrabungsstätte zu suchen. So erspart ihr euch lange Wege.

 

Auf den Spuren des Buddhismus

Nachdem wir eingecheckt haben, düsen wir mit dem Tuk Tuk zur historischen Ruinenstätte. Wer möchte, kann sie auch mit dem Fahrrad erkunden. Zu Fuß würde aufgrund der Entfernungen zwischen den Klosteranlagen und Stupas ein Tag nicht ausreichen. Anuradhapura bildet zusammen mit Polonnaruwa und Kandy die Eckpunkte des sogenannten „Kulturellen Dreiecks“, indem mehr als ein Jahrtausend lang der Großteil der Bevölkerung lebte und seine Spuren hinterließ. Anuradhapura zieht noch heute zahlreiche Pilger an und wurde Anfang der 80er-Jahre zum UNESCO Weltkurlturerbe ernannt.

 

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Lalith zeigt uns Ruinentempel, zahlreiche Dagoben und Klosteranlagen u.a. den Buddhistischen Königstempel Isurumuniya, das Wasserreservoir Tissa Wewa, das einst die damalige Hauptstadt mit Wasser versorgte und den heiligen Bodhi-Baum Jaya Sri Maha Bodhi, der uns am meisten beeindruckt. Er gilt als ältester Baum der Welt, der im 3. Jahrhundert von Indien nach Sri Lanka gebracht wurde. Hier soll Buddha seine Erleuchtung gehabt haben und ist deshalb ein wichtiger Pilgerort für viele Buddhisten. Wir sind überrascht von der Vielzahl der Menschen, die wir dort antreffen. Der Großteil ist weiß  – in der Farbe der Reinheit – gekleidet. Viele von ihnen opfern Lotusblumen, denn sie verkörpern dank ihres Lotuseffekts neben anderen Symboliken ebenfalls das Symbol der Reinheit.

 

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TIPP: am Besten besucht ihr die Ruinenstätte nachmittags, wenn der größte Touristenansturm vorbei ist und die Sonne nicht mehr so knallt. Wir waren außer am Bodhibaum die einzigen auf dem Gelände. Ok, ein Hochzeitspaar beim Fotoshooting haben wir getroffen, aber das war’s dann auch. Die Ruhe und das Abendlicht tauchen die Stätte in eine ganz eigene Atmosphäre.

 

 

Tag 3: von Mihintale nach Dambulla

Wie am Vorabend verabredet, holt uns der gut gelaunte Lalith am Vormittag mit seinem Tuk Tuk ab und wir machen uns auf den Weg nach Mihintale: zum Ursprung des Buddhismus.

Bevor wir die 13 km Richtung Mihintale zurücklegen, machen wir einen Abstecher zu einem Berg, auf dem fernab der Zivilisation noch immer ein paar Mönche leben. Das Besondere daran: die Mönchhäuser sind aus großen Felssteinen gebaut. Lalith freut sich riesig, denn auch für ihn ist es eine Premiere. Ein friedlicher Ort. Hier herrscht eine unsagbare Ruhe! Der perfekte Platz zum Meditieren.

 

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Mihintale

Weiter geht’s nach Mihintale. An diesem Berg soll der König Anuradhapuras einem Mönch, genau genommen dem Sohn des indischen Königs Ashoka, ca. 250 v. Chr. begegnet und anschließend zum Buddhismus konvertiert sein. Er wurde hier sesshaft und ließ eine buddhistische Klosteranlage errichten, in dem bis zu 2000 Mönche lebten.

 

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TIPP: Am Besten morgens oder spät nachmittags besuchen. Auf keinen Fall in der Mittagshitze! Die heilige Ruinenstätte kann nur barfuß betreten werden und trotz Socken, die ihr am Eingang ausleihen könnt, heizt sich der Boden so sehr auf, dass ihr den Boden kaum ohne Schmerzen betreten könnt.

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Dambulla

Unser nächster Stop ist die Kleinstadt Dambulla. Wir erleben eine wundervolle Fahrt vorbei an Wiesen, Feldern und Büffelherden. Obwohl Dambulla nur 65 km von Mihintale entfernt ist, dauert die Fahrt mit dem Tuk Tuk ca. anderthalb Stunden.

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In der Stadt angekommen, landen wir den nächsten Treffer. Unsere Unterkunft ist mal wieder ein Glücksgriff, den ich nur weiterempfehlen kann: Das Gästehaus Takeshi Inn.

 

 

Der Höhlentempel von Dambulla

Wir verabschieden uns von Lallith und lassen den Tag bei einem traumhaften Sonnenuntergang auf dem Berg des 2000 Jahre alten Höhlentempels ausklingen. Bei klarem Himmel könnt ihr von hier aus sogar den Löwenfels Sigiriya sehen. Das „Goldene Kloster“ ließ der König von Anuradhapura nach seinem Exil in fünf Grotten errichten, die ihm bis dahin jahrelang als Versteck gedient hatten.

Die Spitze des Felsrückens erreicht ihr in ca. 20-30 min. über Treppen. Der Tempel ist kostenlos zugänglich, nur für die Schuhgarderobe zahlt ihr ca. 50 Rupie (= 0,30 Euro). Auch hier empfehle ich euch wieder, entweder früh morgens oder abends vor der Dämmerung loszuziehen, denn barfuß über die aufgeheizten Steine zu laufen, ist nicht gerade eine Freude.

 

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TIPP: Gebt auf die kleinen Äffchen Acht. So süß sie auch aussehen, sie können ganz schön frech werden und reißen euch ohne Scheu alles aus der Hand, was nicht niet- und nagelfest ist.

 

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Tag 4: Sigiriya – der Löwenfels und die Wolkenmädchen

Gegen 7.00 Uhr werden wir von unserem Gastvater Nihal zum Löwenfelsen von Sigiriya gebracht. Vorbei an Mangobäumen und unzähligen Feldern erreichen wir nach einer guten halben Stunde die Welterbestätte. Das Klima ist mit 22 Grad zu dieser Uhrzeit perfekt!

Unglaublich! Der Monolith ragt 200 Meter aus einer weiten Ebene und wir können uns absolut nicht vorstellen, dass oben auf dem Felsplateau im 5. Jahrhundert mal eine Festung gestanden haben soll.

 

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Vorbei an den beeindruckenden Wandmalereien der „Wolkenmädchen“ und den Löwenpranken der Felstreppe erreichen wir nach einer Stunde und 1800 Stufen das Plateau und genießen einen traumhaften Ausblick auf das Umland. Die Überreste des Königspalastes und die Königsgärten sind sogar noch zu erkennen.

Wie man auf die verrückte Idee kommt, einen Palast auf einem derartigen Felsen zu erbauen? Das haben wir uns auch gefragt, aber die Antwort ist gar nicht so weit hergeholt: der Sohn des damaligen Königs ließ seinen Vater ermorden, um selbst an den Thron zu gelangen und sah keine andere Möglichkeit, in Sicherheit zu leben, als eine Festung an einem Ort zu errichten, der nicht einnehmbar ist. Damit hatte er sogar einige Jahre Erfolg!

 

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Von Dambulla nach Kandy

Am selben Tag fahren wir noch mit dem Bus nach Kandy. Takeshi, der Sohn unserer Gastfamilie, nach dem auch die Pension benannt ist, hilft uns dabei, den richtigen Bus anzuhalten, denn Bushaltestellen sucht man hier vergebens. Zum Glück ergattern wir die zwei letzten Sitzplätze. Viele andere müssen stehen und das ist bei dem rasanten Fahrstil der Busfahrer hier in Sri Lanka ein wahres Abenteuer. Wie die Zugfahrt kostet auch die Busfahrt umgerechnet nur 1,00 Euro pro Person. Ihr bezahlt hier nicht beim Fahrer selbst, sondern bei einem Ticketverkäufer, der in jedem Bus mitfährt. Sie sind meist sehr hilfsbereit und sprechen oft auch ein bisschen Englisch.

In Kandy sind wir für eine Nacht im Kandy Hostel by Backpack Lanka untergebracht und freuen uns nach einem langen Tag wie diesem nur noch, in den Pool zu springen. Auf der Dachterrasse gönnen wir uns abends ein kühles Bier. Der erste Alkohol überhaupt auf dieser Reise, denn in den buddhistisch geprägten Regionen Sri Lankas bekommt ihr alkoholische Getränke ausschließlich in sogenannten Wine Stores. Selbst in Restaurants, Gästehäusern und Hotels ist es in der Zentralprovinz Sri Lankas fast unmöglich, an Alkohol zu kommen.

 

Tag 5: Kandy

Nach einem gemütlichen Frühstück auf der Dachterrasse sind wir heute mal typisch touristisch unterwegs und machen eine Tuk-Tuk-Citytour mit Privatfahrer durch Kandy. Auch wenn wir so gut wie jeden touristisch überlaufenen Spot anfahren, bekommen wir an der ein oder anderen Stelle wie z.B. im Kräutergarten oder in einer der Teefabriken interessante Einblicke in die srilankanische Kultur. Trotzdem würde ich die Tour für 1000 Rupien pro Person (= 6,00 Euro) nicht nochmal machen.

Wovon ich absolut abrate, ist die abendliche Show der Kandytänzer am Tempel des Heiligen Zahns (täglich von 17-18 Uhr). Wir konnten mit der Tanzshow nicht viel anfangen. Sie zeigt zwar die srilankanische Tanzkunst, da es aber keinerlei Erklärungen gibt, sind bei mir einige Fragen offen geblieben. Die einstündige Vorführung findet in einer dunklen, ungemütlichen Halle statt und kostet weitere 1000 Rupien.

 

Abends ziehen wir in das am Hügel gelegene Kandy View Hotel mit Blick auf den Dschungel um. Das Hotel bietet Zimmer in verschiedenen Preisklassen an, so dass ihr bei früher Buchung sogar ein Schnäppchen machen könnt.

 

Tag 6: Kandy

Um unsere Reise ein wenig zu entschleunigen, legen wir heute einen Entspannungstag ein und verbringen den Großteil des Tages am hoteleigenen Pool, den wir ganz für uns alleine haben. Ein abendlicher Spaziergang ist der perfekte Ausklang für den heutigen Tag.

Abends lädt uns der Hotelbesitzer auf einen Drink auf die Restaurantterrasse ein. Wir sitzen bis spät in die Nacht zusammen und er erzählt uns viel über die Geschichte des Hotels und wie es dazu kam, dass er es übernahm. Ein wunderbarer Abschluss der ersten Etappe unserer Reise. Morgen verlassen wir das Kulturelle Dreieck und machen uns auf den Weg ins berühmte Hochland Sri Lankas! Ihr könnt gespannt sein!

Ihr wollt wissen, wie es weitergeht? Dann freut euch auf Teil 2 unserer Reiseroute!

 

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