Stockholm – ein winterlicher Städtetrip – Teil 1

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Endlich geht es wieder los! Der Winter in Berlin wird mir auch einfach langsam zu bunt. Jeden, der mir in letzter Zeit von Schnee und ausgelassenen Winterspaziergängen vorschwärmt, erkläre ich in Gedanken für verrückt. Dass ich die Klimazone aber gar nicht wirklich verlasse, sondern noch weiter gen Norden fahre, kann ich bestens ausblenden, als ich im Flieger nach Schweden sitze. Denn es geht schließlich auf Reisen und ich habe nur noch Augen für unseren 4-tägigen Kurztrip.

Stockholm habe ich aus Sommertagen in schönster Erinnerung und bin richtig gespannt, von welcher Seite sich die Stadt im Winter zeigt.

Schon auf dem Weg zum Flughafen rutscht mir das Herz das erste Mal in die Hose, als ich merke, dass ich gedankenversunken und auf mein Handy starrend die richtige Buslinie nehme, aber in die falsche Richtung fahre. Als Vielflieger plane ich meine Fahrten zum Flughafen immer extra knapp, um nicht zu lange am Flughafen warten zu müssen. Hab ich es diesmal vielleicht ein bisschen übertrieben? Da ich nur mit Handgepäck fliege und kein Gepäck aufgegeben habe, würde mich weder jemand ausrufen noch vermissen. Aber in solchen Situationen habe ich das Glück immer auf meiner Seite, schaffe es letztendlich noch rechtzeitig zum Flughafen und sehe schon von Weitem auf dem Bildschirm am Gate, dass sich der Abflug um 20 Minuten verspätet. Puh!

Mit Martin treffe ich mich erst am Flughafen in Stockholm. Er kann sich also glücklich schätzen, von alledem nichts mitgekriegt zu haben.

Im Flugzeug habe ich eine nette Sitznachbarin, die 12 Jahre in Stockholm gelebt hat. Wir tauschen Anekdoten und Tipps über Berlin und Stockholm aus und sie erzählt mir von ihrem großen Umzug mit ihrem Mann von der schwedischen in die deutsche Hauptstadt. Was manche nicht alles für einen gut bezahlten Job auf sich nehmen, denke ich mir.

In Stockholm angekommen wartet noch eine längere Busfahrt auf uns, denn der Flughafen ist ca. 45 km vom Stadtzentrum entfernt. Mittlerweile gibt es auch einen Expresszug, der allerdings fast das Doppelte kostet, so dass wir uns für die günstigere Variante entscheiden. Mit WLAN an Bord (es gibt in Stockholm an jeder Ecke freien und vor allem guten WLAN-Zugang), erreichen wir nach 45 Minuten den Hauptbahnhof, legen uns ein 3-Tagesticket für 25 Euro zu und machen uns auf den Weg zu unserer Unterkunft in Södermalm.

Södermalm hat sich in den letzten Jahren zu einem Treffpunkt für junge Leute und einem der angesagtesten Viertel Stockholms entwickelt. Überall entdeckt man kleine Boutiquen, Restaurants und gemütliche Cafés. Hipster scheinen hier genauso unbeliebt zu sein wie überall. Auf einem Schild vor einem Kino steht in großer Schrift: hipsters have to be accompanied by a reasonable adult! 

Für mich persönlich macht schon die Tatsache, dass die Insel auf einem Hügel liegt, einen großen Teil ihres Charmes aus. Denn von hier hat man in alle vier Himmelsrichtungen einen manchmal ganz unverhofften Blick über die Stadt, steht plötzlich vor einer Holztreppe oder sogar einem Aufzug, der dich in die nächsttiefere Etage befördert. Wir schlendern durch das Viertel, gönnen uns ein leckeres Abendessen und stehen schließlich vor einer dieser beschriebenen Treppen. Im Dunkeln erstrahlt die Stadt von Weitem in einem warmen Licht und liegt uns im wahrsten Sinne des Wortes zu Füßen. Genau wie unser Zuhause für die nächsten Tage, das wir zeitgleich am Ufer entdecken. Um uns herum ist es plötzlich stockfinster. Wir bleiben stehen und lassen den Anblick erstmal auf uns wirken. Hier oben herrscht im Kontrast zum Großstadttrubel eine unsagbare Ruhe. Es ist nur ein kurzer Augenblick, aber einer dieser magischen Momente, an den wir uns noch in 20 Jahren erinnern werden.

Im Hostelboot angekommen fallen wir nur noch totmüde ins Bett. Hätten wir gewusst, was die Nacht für Überraschungen bereithält, hätten wir uns wahrscheinlich für eine Partynacht entschieden. Denn pünktlich um 4.30 Uhr werden wir unsanfst von einer unerträglichen Sirene geweckt. Feueralarm! Diesmal rutscht mir mein Herz nicht in die Hose, sondern fühlt sich an, als würde es gleich aus meiner Brust springen. Ok, kein Rauch auf dem Flur, können wir jetzt bitte weiterschlafen? Martin und ich gucken uns an und überlegen, uns einfach wieder hinzulegen, aber das Hotelpersonal ist schneller und schickt uns in die Kälte. Aufgeregt läuft sie durch die Gänge und sucht nach dem vermeintlichen Übeltäter, der im Zimmer geraucht haben soll. Nichts. Nach einer geschlagenen halben Stunde dürfen wir wieder in unsere Kojen.

Ich mache in dieser Nacht zwar kein Auge mehr zu, aber lasse mir davon nicht die Laune verderben. Als ich morgens die Vorhänge unserer Koje aufziehe, strahlt mir die Sonne ins Gesicht und ich blicke auf die stille Ostsee, die sich durch die ganze Stadt schlängelt. Der Tag ist gerettet und die Müdigkeit längst vergessen. Auf ins Winterparadies!


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Bis zur Altstadt haben wir es nicht weit. Nach einem 10-minütigen Fußweg erreichen wir Gamla Stan und entdecken ein niedliches Café, indem wir uns eine typisch schwedische Zimtschnecke und einen Kaffee zum Frühstück gönnen. Fika nennen die Schweden ihre Kaffeepausen in geselliger Runde, die sie sich auch mehrmals am Tag nicht nehmen lassen. Wie sehr habe ich diese Tradition – und die Zimtschnecken – vermisst! Schlucken muss ich allerdings, als wir die Rechnung in den Händen halten: 12 Euro für zwei Heißgetränke und Gebäck?

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Erkenntnis Nr.1: So schön sie auch sind: immer wieder vergesse ich, wie teuer die skandinavischen Länder sind und werde jedes Mal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Im Laufe des Tages werden wir wohl einen Supermarkt aufsuchen und uns für die nächsten Tage Lunchpakete vorbereiten.

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Durch die Altstadt geht es Richtung Fährhafen, der mitten in der Stadt gegenüber vom Schloss liegt. Bei dem schönen Wetter wollen wir eine Fahrt durch den Stockholmer Schärengarten machen. Ich ahne zwar schon, dass hier die nächste Überraschung auf uns wartet, aber will mich selbst davon überzeugen. Wir erfahren, dass – anders als in den Sommermonaten – die Boote nur einmal täglich fahren. Und das hatten wir gerade verpasst. Wir verschieben unseren Ausflug also auf den nächsten Tag und entscheiden uns spontan, uns das Freilichtmuseum Skansen auf der Nachbarinsel Djurgarden anzusehen.

Erkenntnis Nr. 2: So gern ich mich auf Reisen treiben lasse, ein wenig Planung vorab schadet nie. Vor allem, wenn man nur für ein verlängertes Wochenende verreist.

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Skansen ist nicht nur ein Freilichtmuseum, sondern hat auch einen wundervoll weitläufigen Tierpark mit Tieren aus Nordeuropa. So kommen wir heute doch noch auf unsere Kosten und verbringen bei strahlendem Sonnenschein einen entspannten Nachmittag auf dem 300000 qm großen Gelände.

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Durchgefroren vom Tag in der Kälte und froh, nicht mehr laufen zu müssen, verbringen wir den Rest des Tages in Cafés und Restaurants und letzten Endes natürlich wieder in unserer Bootskajüte. Hauptsache warm und gemütlich.

Was in dieser Nacht passiert und wie es in den nächsten Tagen weitergeht, erfahrt ihr >> im zweiten Teil.

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