Schubladendenken – Wie du dir Stereotype bewusst machst und Vorurteile vermeidest

Home / Kultur / Schubladendenken – Wie du dir Stereotype bewusst machst und Vorurteile vermeidest

Was ist das erste, was dir einfällt, wenn du an Italien denkst? Welcher Gedanke kommt dir, wenn du an Fußballspieler denkst? Oder was assoziierst du beispielsweise mit emanzipierten Frauen?

Ich zumindest habe für jede dieser Gruppen sofort ein Bild im Kopf.

Du auch?

Überhaupt nicht schlimm.

Es ist sogar völlig normal, dass wir eine verallgemeinernde Vorstellung im Kopf haben. Dass wir in Schubladen denken. In Kategorien. Sogenannte Stereotype sind sogar hilfreich für uns. Sie sind aber trotzdem nur eine vorübergehende Hilfestellung und du solltest sie dir immer bewusst machen und hinterfragen.

Warum?

Das möchte ich gerne näher beleuchten.

 

 

Was genau ist überhaupt ein Stereotyp und wie entsteht es?

Vorurteil, Stereotyp, Klichee – oft werden diese drei Begriffe in einen Topf geworfen. Und wenn ich ehrlich bin: Ich habe das lange Zeit auch getan. Deswegen möchte ich zuerst über den Unterschied zwischen den drei Phänomenen sprechen.

 

Stereotyp

Das Wort stammt aus dem Griechischen und wenn wir uns die Wortbedeutung ansehen, dann bedeutet stereós übersetzt „fest“ oder „starr“ und týpos heißt so viel wie „Muster“ oder „Modell“.

Und ob wir ehrlich zu uns sind oder nicht: Wir alle denken in Mustern, wenn wir mit neuen Reizen in unserem Leben konfrontiert werden. Wir bewerten diese Reize und ordnen sie in Kategorien ein. Diese Einordnung ist nicht zwingend negativ, sondern kann auch positiv ausfallen, in jedem Fall ist sie aber wertend. Ich greife hierfür nochmal das Beispiel Italien vom Anfang meines Artikels auf: Eine positive Assoziation, die ich zum Beispiel mit diesem Land habe, ist die Lebensfreude der Menschen und ihr Hang zu gutem Essen.

Geht es dir genauso?

In sogenannten Stereotypen zu denken, ist aber erst einmal nichts Verwerfliches.

Also keine Sorge!

Sogar ganz im Gegenteil:

Ein Stereotyp ist ein vereinfachtes Bild, das uns hilft, komplexe Sachverhalte in unserer Umwelt zu vereinfachen. Es sind quasi unbewusste Glaubenssätze, die unsere Realität verzerren. Oft haben wir noch nicht einmal selbst Erfahrung damit gemacht, sondern haben unser vermeintliches Wissen aus den Medien oder es wurde uns davon erzählt.

Denn weißt du, was das Interessante daran ist?

Anders könnte unser Gehirn die Komplexität dieser Welt und all die Reize, mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden, gar nicht verarbeiten.

 

Klichee

Ein Klichee ist – ähnlich wie ein Stereotyp – ein vorgefertigtes Denkmuster, das sich aber nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Phänomene oder Dinge beziehen kann. Auch ein Klichee hilft dir, dich besser im Alltag orientieren zu können.

 

Vorurteil

Vorurteile entstehen aus Verallgemeinerungen, also aus Stereotypen oder Klichees. Es sind Meinungen, die unreflektiert von anderen übernommen werden, sich meist in Verbindung mit negativen Gefühlen festfahren und nicht hinterfragt werden. Wie das Wort selbst schon sagt, ist es ein vorab gefälltes Urteil über eine Tatsache, die nicht reflektiert wird. Es kann unser Verhalten unglaublich stark beeinflussen und macht es uns deshalb auch so schwer, es wieder loszuwerden und diese starre Haltung zu widerlegen.

 

Warum Vorurteile so gefährlich sind?

Weil sie eine unglaublich große Macht haben, die du nicht unterschätzen solltest! Wie ich gerade schon erwähnt habe, haben Vorurteile nämlich einen starken Einfluss auf unser Verhalten, da sie von unseren Gefühlen geleitet werden. Und sobald Emotionen ins Spiel kommen, verlassen wir die sachliche Ebene und nehmen nur noch das wahr, was wir möchten.

Wenn wir auf Menschen treffen, deren Verhaltensweisen uns irgendwie fremd sind, tendieren wir oft dazu, dies direkt zu bewerten. Das führt aber leider nicht dazu, dass wir den anderen verstehen und nachvollziehen können, warum er so handelt, wie er handelt, sondern meist schürt dieses einseitige Wahrnehmen negative Gefühle in uns, die wir mit diesem Menschen verbinden.

Das heißt, wenn du Angst hast, gestresst, wütend oder traurig bist, bist du in der Regel nicht so offen für Neues und nicht so empfänglich dafür, deine Meinung über eine bestimmte Person oder Gruppe zu ändern, als in Situationen, in denen du nicht emotional geladen bist. Mit Fakten gegen negativ behaftete Gefühle anzukommen, ist also fast unmöglich.

Während dir Stereotype nur als eine Art Wegweiser dienen, können dich Vorurteile dazu bringen, Hemmungen aufzubauen oder sogar einen anderen Menschen bzw. eine Gruppe unbewusst auszugrenzen.

Und diese Gefahr ist näher, als du gerade wahrscheinlich denkst. Du musst dafür nämlich nicht mal in ferne Länder reisen. Erinnerst du dich vielleicht an Situationen aus deinem direkten sozialen Umfeld, in denen dir jemand einen Stempel – auch wenn es ein noch so kleiner Stempel war – aufgedrückt hat oder du jemand anderem?

Oft passiert das unbemerkt und schleichend.

Deshalb liegt es mir so am Herzen, dir zu zeigen, wie wichtig es ist, dass wir unser Schubladendenken reflektieren und andere Menschen nicht einfach in der jeweiligen Schublade liegen lassen.

 

 

Wie du vermeidest, dass aus Stereotypen Vorurteile entstehen

Mache dir zuerst bewusst, wie du selbst tickst.

Klingt, als könntest du diesen Schritt überspringen, weil wir ja alle ganz automatisch handeln und agieren?

Aber nach welchen Prinzipien handelst du eigentlich? Hast du dich schon mal gefragt, nach welchen Werten und Normen du lebst und warum das eigentlich so ist? Was und wer dich, seit du auf dieser Welt bist, beeinflusst?

Dass, wenn du merkst, wie einzigartig du bist, es niemand anderen geben kann, der genauso ist wie du? Und es dementsprechend sein kann, dass auch nicht jeder so denkt und handelt wie du? Und wer sagt denn, dass dein Verhalten und deine Art, wie du Dinge handhabst, die einzig richtige ist?

Versuche, nicht von dir auszugehen, wenn du auf Leute triffst, die anders sind als du.

Denn du kannst den Menschen nur vor den Kopf gucken! Du weißt nicht, wie es in ihnen aussieht, was sie denken und auch nicht, nach welchen Regeln sie leben. Versetze dich in ihre Lage und versuche, sie zu verstehen. Empathie ist wirklich das A und O, wenn es darum geht, mit anderen Menschen klarzukommen.

Es ist so viel leichter, wenn du ohne Erwartungen auf Menschen zugehst und dich von deinem Muster im Kopf freimachst. Du kannst nur überrascht werden! Probier’s mal aus!

Und wer weiß, vielleicht überdenkst du die ein oder andere deiner Verhaltensweisen, Haltungen und Werte und dir fällt auf, dass du von anderen noch was lernen kannst. Sie sind schließlich nicht in Stein gemeißelt. Also deine Werte.

 

Hast du noch Fragen an mich oder hast selbst schon mal eine Situation erlebt, in der dir ein Stempel aufgedrückt wurde? Wie hast du dich in dem Moment gefühlt?

Ich freue mich, von dir zu hören!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: