Warum ich mir 2016 erneut im Weg stand und was ich daraus gelernt habe

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Gestern Nacht hat mich in nur ein paar Minuten ein riesiger Schwall an Gedanken einfach so überrollt. Und den möchte ich gern mit euch teilen. Ein etwas anderer Jahresrückblick.

Als ich 2015 gekündigt habe und Silvester endlich ein freier Mensch war, hätte ich mir nie erträumen lassen, dass ich zwei Wochen später wieder am Schreibtisch sitze,
mich fleißig auf Teilzeitjobs bewerbe und parallel krampfhaft an meiner Selbstständigkeit rumbastele, anstatt das Leben zu genießen und alles so zu nehmen, wie es kommt.

Ich wollte keine Zeit verlieren, hatte teilweise Existenzängste, die ich zwar nicht hätte haben müssen, aber die ich mir von Tag zu Tag mehr einredete und entschied mich schließlich, erstmal als Freelancer Geld zu verdienen, bis ich meine Selbstständigkeit in die richtigen Bahnen gelenkt hatte. Dass mich das noch weiter zurückwerfen würde, wollte ich nicht sehen.

Jetzt war es kein Unternehmen mehr, in dem ich mich an bestimmte Vorgaben halten musste, sondern ich selbst hatte mir plötzlich bescheuerte Regeln auferlegt. Selbst Steine in den Weg gelegt.

Dass ich bis zu einer bestimmten Deadline fertig sein müsste, obwohl ich das Datum selbst nicht kannte. Denn es gab schließlich keine Deadline. Dass ich mich sozial engagieren muss, obwohl ich mit meiner Zukunftsplanung wirklich genug zu tun hatte. Dass ich nicht dazu gestanden habe, in dieser Zeit finanziell von meiner Mutter unterstützt zu werden. Ich habe mir schlichtweg zu viel zugemutet. Spinne ich eigentlich?

Nein.

Aber ich hatte mein Ziel aus den Augen verloren. Denn die Erfolgserlebnisse blieben aus. Und das Schlimmste: das alles war mir im selben Moment sogar bewusst.

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Aber was sollte ich jetzt tun?

Glücklicherweise habe ich mir dank der großen Unterstützung meines Umfelds eine Auszeit nehmen können, die mir mehr als gut getan hat. Eine Zeit, in der ich auf Fragen wie „Und, was arbeitest du so?“Antworten wie „Ich habe gerade keinen Job. Ich arbeite an meiner Selbstständigkeit und genieße mein Leben.“ geben konnte, ohne mich dabei schlecht zu fühlen. Auch, wenn es mich ein paar Überwindungskünste kostete.

Meine liebe ehemalige Mitbewohnerin hat vor ein paar Tagen auf ihrem Blog Risk Happiness von dem Druck gesprochen, den wir uns selbst viel zu oft aussetzen. Vermeintlichen Zielen hinterhereifern, obwohl sie nichts mit unseren Herzenswünschen zu tun haben. Und ich muss nun einsehen, dass auch ich mich von diesem Druck nicht freimachen konnte. Der Druck, beweisen zu müssen, dass es richtig war, meinen Job zu schmeißen. Nach meiner Kündigung aller Welt erzählen zu können, was ich in den letzten Monaten schon erreicht habe. Denn irgendwann wird der Tag kommen, an dem ich genau das gefragt werden würde und darauf wollte ich vorbereitet sein.

Mir war die ganze Zeit über bewusst, dass es im Grunde niemanden zu interessieren hat, wie ich mein Leben gestalte und trotzdem kam ich gegen diesen Druck nicht an. Ich hab es einfach nicht geschafft. Ich ließ mich sogar so dermaßen entmutigen, dass ich nicht mal mehr die Dinge mit Bravur meisterte, die ich gerne tat und die mir lagen.

Was mich das Jahr gelehrt hat

Vor allen Dingen habe ich gelernt, dass die alleinige Entscheidung, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen nicht ausreicht, um mein Leben zum Positiven zu verändern. Dass sie keine Garantie dafür ist, mir selbst nicht mehr im Weg zu stehen. Es kann sogar vorkommen, dass man tiefer sinkt, als je zuvor. Und das hängt einzig und allein an den Ansprüchen, die man an sich selbst und das Leben stellt und die so dermaßen steigen können, dass man wissen muss, wie man sie erfolgreich händeln kann.

Ich bin dankbar für diese Lektion, die mir 2016 erteilt hat, denn wie oft denke ich, dass ich mich unglaublich gut selbst einschätzen kann? Diese Erfahrung hat mich zu der Erkenntnis gebracht, dass man immer wieder neue Facetten an sich entdeckt, auch wenn man noch so sehr davon überzeugt ist, sich selbst in- und auswendig zu kennen.

Gleichzeitig bin ich aber froh, dass diese Phase mittlerweile überstanden ist. Plötzlich sprühe ich wieder vor Ideen und Zuversicht! Wie und wann sich dieses Gefühl eingestellt hat? Ich weiß es nicht genau, es war plötzlich einfach wieder da. Was ich aber weiß ist, dass ich das Richtige getan habe und mir zum richtigen Zeitpunkt genug Ruhe gegönnt habe, um nicht ganz von meinem Weg abzukommen.

Kennt ihr das mit dem Druck? Und habt ihr einen guten Weg gefunden, damit umzugehen?

Ich freue mich auf eure Gedanken und Kommentare!

3 Comments

  • Ich weiß total, was du meinst! Ich bin zwar erst 19 Jahre alt und habe im Vergleich zu anderen, auch zu dir, sehr wenig Erfahrung, aber der Druck ist mir dennoch sehr bekannt. Vor allem der, den man sich selber auferlegt, weil man unbedingt etwas schaffen möchte und das in kürzester Zeit, obwohl man alle Zeit der Welt hat und sich nicht beeilen „müsste“. Wie ich damit umgehe? Manchmal gar nicht – zu viel Druck löst bei mir ganz schnell eine ätzende Migräneattacke aus und dann bin ich gezwungen für’s Erste aufzugeben. Manchmal schaffe ich es aber dennoch, mit Druck und Stress relativ gut umzugehen und gönne mir einfach mal ein paar Stunden oder Tage eine Auszeit. Man muss einfach akzeptieren, dass man ein Mensch ist und nur begrenzt Kapazitäten hat und man muss verstehen, dass man nicht immer alles, vor allem sofort, erreichen muss. Viele Grüße, Julia ♥

    • Liebe Julia,
      vielen Dank für deine liebe und offene Antwort! Ich find, das Alter spielt gar keine so große Rolle, denn wie du schreibst, hast du ja auch genügend Erfahrung mit dem Thema gemacht! Zum Glück meldet sich unser Körper, wenn er überlastet ist und eine Auszeit braucht. Ich kenne das auch zu gut. Da hast du vollkommen Recht: oft akzeptieren wir nicht, dass wir nur Menschen sind. Schöne Worte! Lieben Gruß, Christina

  • Liebe Christina, so ein toller Artikel! Ich kann mich selbst so sehr darin wieder finden. Wir sind es so häufig selbst, die uns selbst am allermeisten daran hindern, unsere eigentlichen Träume und Wünsche zu verfolgen – und leider ist es auch am schwersten, genau dagegen anzugehen. Die Glaubenssätze, denen wir seit Jahren folgen, in Frage zu stellen. Und den Mut aufzubringen, sie zu ändern, ohne zu wissen, was das mit uns macht. Wir befinden uns ja beide gerade auf einer ungewissen, aber unfassbar spannenden und bereichernden Reise und ich wünsche Dir alles alles Gute auf Deinem Weg – Du bist auf dem richtigen 🙂
    Alles Liebe, Lisa
    http://www.riskhappinessblog.com

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