Warum in die Ferne schweifen?

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Wo ich Prioritäten setze, zeichnet sich in meinem alltäglichen Leben ganz klar ab. Seit Jahren lege ich jeden Cent, den ich am Ende des Monats übrig habe, fürs Reisen zur Seite. Wenn ich mal knapp bei Kasse bin, kaufe ich bewusster ein, indem ich lieber auf ein neues Kleidungsstück, den morgendlichen Coffee to go sowie sonstigen Kram verzichte, der manchmal wie von Geisterhand im Einkaufswagen landet und gehe nur noch zu besonderen Anlässen auswärts essen. Alles, damit ich mir meine Reiseleidenschaft finanzieren kann.

Aber warum tue ich das eigentlich? Was ist mir am Reisen wichtig und was reizt mich daran so sehr?

Diese und ähnliche Fragen stellt Jessica von Yummy Travel auf ihrem Blog zum Thema „Warum in die Ferne schweifen?“. Als ich die Einladung zu ihrer Blogparade sah, habe ich mich sofort hingesetzt und mir dazu ein paar Gedanken gemacht.

Oh wie schön ist Panama

Janoschs allseits bekannte Geschichte über den kleinen Tiger und den kleinen Bären, die sich auf die Reise nach Panama begeben, ist vielleicht das beste Beispiel dafür, wie sehr Reisen bereichern kann. Obwohl sie mit ihrem Leben rundum zufrieden sind, machen sie sich eines Tages auf die Suche nach ihrem Traumland Panama, weil es da noch schöner sein soll. Die Moral des Buches spiegelt für mich genau die Gründe wider, warum Reisen ein so essentieller Bestandteil meines Lebens geworden ist:

1. Reisen bildet

Eine alte Redewendung, an der meiner Meinung nach viel Wahres dran ist. Reisen ist die intensivste Art, zu lernen. Wenn ich auf Reisen bin, lerne ich nicht nur Neues über den Ort, an dem ich gerade bin, seine Geschichte, über die Einheimischen, die Kultur des Landes und das lokale Leben, sondern ebenso viel über mich selbst und meinen Reisepartner.

2. Neue Facetten an sich kennenlernen

Selbst, wenn ich oft glaube, dass ich mich selbst gut kenne: in der Ferne kann ich bestens über mich selbst hinauswachsen. Ich gerate auf Reisen manchmal in Situationen, denen ich zuhause bisher nicht ausgesetzt war und lerne auf diese Weise neue Seiten an mir kennen. Als ich sowohl auf einer Reise in Asien, als auch in Spanien bei zwei Kreislaufzusammenbrüchen auf mich alleine gestellt war, habe ich zum Beispiel festgestellt, was für einen Überlebensdrang ich an den Tag legen kann, den ich bis dahin nicht für möglich gehalten hätte. Denn in meinem gewohnten Umfeld habe ich immer Hilfe in greifbarer Nähe. Aber auch in belanglosen Situationen, in denen ich Sprachbarrieren überwinden muss, merke ich, dass ich meine Komfortzone viel schneller verlasse, wenn mir keine andere Wahl bleibt.

3. Ängste und Hindernisse überwinden

„Wir brauchen uns vor nichts zu fürchten“, bestätigten sich der Bär und der Tiger auf ihrer Reise mehrfach gegenseitig. Und da haben die beiden Recht. Ich stehe mir nämlich oft unnötig selbst im Weg. Dann habe ich das Gefühl, keine Fortschritte zu machen, finde keine Lösungen und drehe mich im Kreis. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, hatte ich Angst, nicht über die Runden zu kommen oder den Weg in die Selbstständigkeit nicht alleine meistern zu können. Bis mir auf einer Reise die Augen geöffnet wurden. Mittlerweile weiß ich, dass es immer einen Ausweg gibt und man sich manchmal auf ungewisse Wege begeben muss, um weiterzukommen.

4. Gleichgesinnte Reisende treffen und Freunde finden

Menschen außerhalb meines heimischen Umfelds zu treffen, mich mit ihnen auszutauschen und uns gegenseitig zu inspirieren – das ist es, was mich auf jeder Reise immer wieder aufs Neue bereichert. Aus manchen meiner Begegnungen sind sogar gute Freundschaften entstanden.

5. In andere Kulturen eintauchen

Eines der Dinge, die ich am meisten am Reisen liebe: neue Bräuche und Sitten kennenlernen und das Leben anderer Kulturen aus nächster Nähe erleben. An die herzliche Begegnung mit einem Vietnamesen in Mai Chau erinnere ich mich immer wieder gerne zurück. Er war ein guter Freund der Inhaber des Gästehauses, in dem ich übernachtet habe. Seine Aufgabe als Guide nahm er nicht allzu ernst: er zeigte uns Gästen die Dörfer und Reisfelder in der Umgebung, nahm uns (zum Ärger seiner Mutter) auf einen Absacker mit zu sich nach Hause und machte mit uns eine Tour auf dem alten Kahn eines Freundes.Ich werde nie vergessen, wie er sich auf dem Fischerboot die Fotos meiner Kamera ansah und zufrieden sagte: „Das ist Kolumbien? Und das auch? Sieht aus wie bei uns, dann kann ich ja hier bleiben.“ Es war eine der Begegnungen, die mir gezeigt hat, dass man nicht viel im Leben braucht, um glücklich zu sein.   

Vietnam-Mai-Chau

6. Unterwegs innere Ruhe finden

Ich neige dazu, mich selbst ohne Grund zu stressen, auch wenn ich (diese Manko) in den letzten Jahren ganz gut im Griff habe. Auf Reisen ist das anders. Wenn ich unterwegs bin und genug Abstand vom Alltag habe, kann ich wunderbar abschalten und mich erholen. Eine Auszeit tut schließlich jeder Seele gut.

Ist es woanders nun wirklich schöner, als zuhause?

Für mich bedeutet Reisen nicht zwingend, dass man dauerhaft unterwegs sein muss. Vielmehr bedeutet in die Ferne schweifen, meine eigene Heimat wertschätzen zu lernen. Vor allem aber schenkt mir Reisen Erkenntnisse, Erfahrungen und Begegnungen, die ich nicht (erleben) würde, würde ich von vornherein zuhause bleiben.

Dem kleinen Tiger und dem kleinen Bären ging es ähnlich. Am Ende ihrer Reise finden sie schließlich das Land ihrer Träume – den Ort, an dem sie schon immer gewohnt haben, den sie aber bei ihrer Rückkehr nicht wiedererkennen. Es ist nun alles viel schöner, als vorher. Aber nicht etwa, weil sich dort irgendwas verändert hat, sondern weil sie von ihrer Reise mit neuen Erlebnissen zurückkehren und sich selbst verändert haben.

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