Was Offenheit bewirkt & wie ihr offen auf andere Kulturen zugeht

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Zurück von meiner Sri-Lanka-Reise mit einer Freundin und mit ein wenig Abstand betrachtet, komme ich wie immer nach Reisen und längeren Auslandsaufenthalten auch heute wieder zu denselben Erkenntnissen. Und die möchte ich gern mit euch teilen.

Woanders ist es anders – und gerade das ist so bereichernd

Natürlich habe auch ich nicht schlecht geguckt, als ich die ersten Male in Spanien an einer Supermarktkasse stand und die Kassiererin in dem Moment, in dem ich dran bin, wortlos ihre Kasse verlässt und ich merke: was sie da tut, hat gar nichts mit der Arbeit zu tun. Sie hat nur gerade ihre Kollegin – und Freundin – entdeckt, begrüßt sie in aller Ruhe und tauscht erstmal die Wochenend-Highlights mit ihr aus. 

Man könnte jetzt loswettern und sagen „Was ist das für eine Arbeitshaltung? Erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen!“ Man könnte die südeuropäische Gelassenheit aber auch mal aus einer anderen Perspektive betrachten und es positiv sehen, dass das Berufsleben nicht überall strikt vom Privatleben getrennt wird, wie es bei uns Deutschen oft der Fall ist. 

Ähnlich geht es in Südost- und Südasien zu. Da wartet man dann im Restaurant vielleicht mal eine knappe Stunde auf sein Essen. Aber ist das schlimm? Klar, der Servicegedanke ist ein anderer, als ich ihn aus meinem Heimatland kenne, aber muss alles immer schnell und strukturiert ablaufen? Müssen wir immer in Eile sein und uns unnötig stressen lassen? Es tut doch jedem von uns auch mal ganz gut, das gemütliche Abendessen im Restaurant als kleine Auszeit zu sehen und dabei zur Ruhe zu kommen.

Ich für meinen Teil bin seitdem jedenfalls wesentlich entspannter, wenn ich in einer Schlange stehe oder trotz Termins beim Arzt im Wartezimmer warten muss. 

Über seinen eigenen Schatten zu springen, ist manchmal gar nicht so einfach 

Als ich das erste Mal außerhalb Europas im Straßenverkehr unterwegs war, habe ich Blut und Wasser geschwitzt. Jetzt saß ich da irgendwo in Lateinamerika mit neun Leuten in einem Taxi, das in meinen Augen nur für fünf Personen ausgerichtet war. Fünf auf der Rückbank, einer im Kofferraum, zwei auf dem Beifahrersitz und unser Taxifahrer.

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Von Anschnallgurten weit und breit keine Spur. Der Unterschied zwischen mir und den anderen sieben Fahrgästen stellte sich schnell heraus: offensichtlich hatte niemand was zu beanstanden. Die einen schauten entspannt aus dem Fenster, die anderen unterhielten sich über Belanglosigkeiten. Ich entschied mich also, mich auf die Fahrt einzulassen. Was blieb mir auch anderes übrig? Leicht fiel es mir anfangs nicht, aber als ich lebendig aus dem Taxi wieder ausstieg, wurde genau diese Fahrt zu einer von vielen learning-by-doing-Situationen, aus denen ich ganz viel über mich selbst und den Umgang mit anderen Kulturen gelernt habe und wofür ich heute sehr dankbar bin.

Hier kamen direkt mehrere kulturelle Unterschiede zusammen. Allem voran das Gefühl von Sicherheit. Erst, als ich mich in dieses klapprige Auto ohne Gurte neben vier andere Leute quetschte, wurde mir klar, welches Verhältnis ich als Deutsche zu Sicherheit habe. Dass ich überhaupt eins dazu habe und ich mir offensichtlich als einzige darüber Gedanken mache. 

Vielleicht ist das Bedürfnis nach Sicherheit in manchen südamerikanischen Dörfern und Städten einfach geringer, weil hier andere, für sie viel essentiellere Dinge im Vordergrund stehen? 

Dazu kam die körperliche Nähe zu meinen Sitznachbarn, die mich nicht unbedingt störte, die aber neu für mich war und an die ich mich im Laufe der Zeit gewöhnte. So habe ich im wahrsten Sinne des Wortes nach und nach gelernt, Berührungsängste abzubauen. 

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Öffne dich und du bekommst es mehrfach zurück

Ich gebe zu, viel leichter gesagt, als getan. Natürlich fällt es nicht jedem leicht, sich auf Neues einzulassen, was einem aus der eigenen Kultur fremd ist. Sich zu öffnen und sich aus seiner Komfortzone rauszubewegen bleibt für mich dennoch der passendste Schlüssel, Menschen aus anderen Kulturen zu verstehen, ihnen näher zu kommen und vielleicht sogar was von Ihnen zu lernen. Mir hat es gezeigt, wieviel Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit oder Gastfreundschaft mir dadurch entgegengebracht wurde. Und aus einigen Begegnungen sind Freundschaften entstanden, die ich heute nicht mehr missen möchte. 

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